Hardangervidda – im Winter von Finse nach Haukeliseter

Anfahrt
Endlich ist es soweit! Seit ein paar Stunden sitzen wir im Auto und fahren Richtung Fredrikshavn. Auf dem Weg zu unserer Fähre Richtung Norwegen, genauer gesagt nach Oslo. Eine weitere Station auf dem Weg in die Hardangervidda. Im Gepäck 2 Pulkas und 2 mal Skiausrüstung. Das Auto wird in der Nähe des Hafens in Fredrikshavn geparkt und wir reisen als Fußgänger mit seltsamen Gepäck mit der Fähre nach Oslo.

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Vor Ort geht es mit dem Bus zum Bahnhof und dort in den Nachtzug nach Finse, dem Start unserer Tour.

Tag 1: 04.03.2011

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Hier sind wir also. 4:15Uhr. Es ist noch dunkel, es schneit und stürmt. Zeit die Daunenjacken rauszuholen. Zum loslaufen alles andere als optimale Bedingungen, außerdem müssen die Thermoskannen noch gefüllt und die Ski gewachst werden. Wir nutzen den Warteraum des Bahnhofs um richtig wach zu werden und um alles vorzubereiten. Gegen 7Uhr lassen wir unsere Thermoskannen im Hotel Finse 1222 mit heißem Wasser füllen und schnallen danach unsere Ski und Pulka an. Los geht’s. Ziel ist Haukeliseter. Eine komplette Querung der Hardangervidda von Nord nach Süd.

Überrascht bemerken wir die Birkenzweige, welche den Weg Richtung Kraekkja und Kjeldebu markieren. So werden Karte und GPS nur gelegentlich herausgeholt um sich zu orientieren, wie viel der Strecke schon abgelaufen ist. Der Weg führt uns gemächlich immer wieder auf und ab. Die Sicht ist okay und der Wind nimmt stetig zu.

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Gerade als wir überlegen eine Pause einzulegen, kommt vor uns ein dunkler Punkt ins Blickfeld und wir identifizieren 2 rote Pulkas daneben. Als wir näher kommen, machen wir einen Abstecher zu diesem Lager – das Zelt zu nennen wäre geprahlt, eher 2 Bauplanen, die irgendwie festgesteckt wurde, deshalb fragen wir leicht besorgt nach ob alles in Ordnung ist. Nachdem eine Stimme unter der Plane versicherte, dass alles fein ist gehen wir weiter.

Den Versuch hinter einem großen Stein windgeschützt eine kurze Pause zu machen brechen wir ab, weil uns der aufgewirbelte Schnee ins Gesicht schneit. Also ziehen wir weiter. Der Wind spielt mit uns. Eine Böe schiebt uns einfach in den Tiefschnee und reißt unsere Pulkas um. Verdattert schauen wir uns an, lachen und versuchen uns wieder auf die Beine zu stellen. Ab jetzt gehen wir schubweiße in den Phasen wo der Wind sich sammelt und versuchen den Sturmböen einfach im Stand entgegenzuhalten. Selbst die flachen Anstiege sind nur mit Mühe zu nehmen, deshalb packen wir die Kurzfelle aus und ziehen sie auf die Ski.

Am frühen Nachmittag haben wir genug, außerdem macht sich leichte Müdigkeit breit. Wir suchen in der Nähe des Midnutvadnet eine zumindest etwas vom Wind geschützte Stelle und bauen unser Zelt auf. Nach einem kleinen Nachmittagsschlaf, verlegen wir das Kochen ins Absid – Lachs mit Reis. Lecker! Wir füllen noch die Thermoskannen auf und versuchen das Flattern des Zeltes im Wind auszublenden und zu schlafen.

Tag 2: 05.03.2011
Als wir die Augen öffnen flattert es noch immer. Wir frühstücken und entscheiden uns noch eine Mütze Schlaf zu gönnen, da beim Blick aus dem Zelt nicht wirklich viel zu erkennen war. Gegen Mittag kommt die Sonne raus und wir machen uns bereit zum weitergehen. Skibrille auf und los. Wir ändern unseren ursprünglichen Plan. Statt die längere, aber flacherer Strecke über die Seen, gehen wir nun doch die etwas kürzere, aber dafür bergigere Route. Mehrere fast alpine Abfahrten meistern wir mit gelegentlichem Schneekontakt. Bei einem Sturz werde ich von meiner Pulka überfahren ;) Der Wind schwächt im Laufe des Tages ab.

Am Nachmittag bauen wir bei fast Windstille das Zelt kurz vor dem letzten Anstieg zur Kjeldebu auf, kochen im Freien und genießen den Sonnenschein bis das Wasser fertig ist.

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Der obligatorische Blick auf die Karte, auf das was noch vor uns liegt und die Gewissheit einer Hütte am nächsten Tag lassen und voller Vorfreude einschlafen.

Tag 3: 06.03.2011
Dieser Tag beginnt so wundervoll wie der Abend zuvor endete. Windstille und Sonnenschein. Was will man mehr? Und dann auch noch die Aussicht auf eine Hütte. Vollkommen entspannt bauen wir das Zelt ab, während der Schnee für den Tee auf dem Kocher schmilzt. Hochmotiviert gehen wir also den Anstieg an und nehmen uns Zeit die herrliche Landschaft zu genießen – wenn die Sicht schon mal so gut ist.

Kurz vorm höchsten Punkt für diesen Tag legen wir eine Teepause ein. In der Sonne ist es herrlich warm, sodass nicht mal die Daunenjacke aus der Pulka geholt werden muss. Danach geht es bergab und eben weiter.

Auf einmal taucht die Kjeldebu in der Ferne auf. Mit dem Etappenziel vor Augen legen wir die letzten Kilometer zügig zurück.

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Vorort angekommen suchen wir die “richtige” Hütte und werden schnell fündig. Wir räumen die Pulkas fast vollständig aus und das typische Hüttensyndrom bricht aus. Im Nu ist die gesamte Hütte mit unseren Sachen belegt. Die Schlafsäcke hängen über den Leinen und die Daunenjacken an den Kleiderhaken.

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Wir sind froh jetzt erst mal alles trocknen zu können. Alles hat ziemlich viel Feuchtigkeit gezogen die letzten 2 Tage, da im Zelt stets über 0°C waren und sich deshalb keine Eiskristalle sondern Wassertropfen als Kondenz an den Zeltwänden niedergeschlagen haben. Klingt total bescheuert, aber es ist fast zu warm um zu zelten! Bei -10 bis -15°C.

Nachdem wir ordentlich Chaos verbreitet haben, checken wir den Proviantraum. Wir entdecken eingelegte Pfirsiche und Ananas – davon muss auf jeden Fall eine Dose dran glauben. Auch sonst sind wir von dem Angebot dort überrascht. Allerdings halten wir uns fürs Mittag- und Abendessen an unsere Essensvorräte aus der Pulka – Nudeln mit Schinkenwurst, Zwiebeln und geriebenen Käse steht auf dem Speiseplan. Damit verschwinden locker 1,5kg aus dem Gepäck :D

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Nebenbei läuft das Radio, bis wir endlich der Wettervorhersage lauschen. Viel verstehen wir nicht. Außer “sterk storm fra sørvest” – sowas wollten wir eigentlich nicht hören. Aber das Wetter fragt eben nicht.

Als es dunkel ist ruft mich Tomie von draußen. Ungläubig fragt er: “Sind das Polarlichter?” Ich bin mir auch nicht sicher, weil sie so tief am Horizont stehen. Später bestätigt sich der Verdacht. Allerdings sind sie extrem schwach und auch nicht sonderlich schön :(

Tag 4: 07.03.2011
Bevor der Wecker klingelt höre ich Tomie schon am Kamin herum rumpeln. Ich kriech also auch aus dem Bett. Danach geht‘s ans Panncake backen! Dazu etwas Marmelade aus dem Proviantraum – lecker! Wir schalten nochmal das Radio an, sie wiederholen die Wetterprognose vom Vorabend “sterk storm fra sørvest”. Der Blick aus dem Fenster lässt uns hoffen, dass es schon nicht so schlimm wird. Die Sicht ist gut und der Wind weht nur leicht.

Gegen 9Uhr sind wir startklar für die nächste Etappe. Wir wollen gegen Mittag in Duranut sein. Mal wieder geht es zu Beginn bergauf. Mit jedem Abschnitt wird die Steigung steiler. Außerdem zieht der Wind an. Deshalb machen wir nur einen kurzen Stopp um etwas zu trinken und ziehen ansonsten bis Duranut einfach durch, auch wenn die Hütten scheinbar nicht näher kommen, als diese im Sichtfeld sind.

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Dort angekommen suchen wir uns ein windgeschütztes Plätzchen.

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Nach fast einer Stunde verlassen wir etwas widerwillig Duranut um noch ein paar Kilometer zu machen. Wir lassen uns über den See pusten.

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Bei Bjoreidalshytta nutzen wir die Gelegenheit im Windschutz einer Hütte unser Zelt aufzubauen.

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Tag 5: 08.03.2011
Der Wind hat abgeflaut. Von Sonne jedoch keine Spur. Die Routine beim Pulka packen macht sich bemerkbar. Den bergigen Teil hatten wir ja gestern, deshalb verstauen wir die Kurzfelle im Rucksack und tragen ein paar Schichten Wachs auf.

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Das Gelände ist nur leicht wellig, von daher eine gute Wahl. Gegen Mittag lässt sich die Sonne blicken. Allerdings hat diese eine Ladung Wind im Gepäck…selbstverständlich Gegenwind! In Hellehalsen suchen wir kurz an einer Hütte Schutz vorm Wind für eine Pause.

Wir überlegen das Zelt direkt hier aufzubauen. Aber es ist noch mitten am Tag und deshalb gehen wir noch ein paar Kilometer weiter. Windschutz kann man weit und breit vergessen und auch der weitere Streckenverlauf lässt nicht darauf hoffen. Klar in Sandhaug ist die Hütte, aber der Wind ist ermüdend.

Deshalb bauen wir mitten im Sturm vollkommen ungeschützt neben einem Steinmännchen unser Zelt auf. Wir sind froh aus dem Wind heraus zu kommen und verschwinden umgehend ins Zelt. Wirklich behaglich ist die Situation trotzdem nicht. Tomie unternimmt den Versuch am Steinmännchen das Wasser fürs Abendessen zu kochen, aber schon beim Verlassen des Zeltes reißt der Wind den Topfdeckel mit sich. Der Deckel ist ruck zuck über alle Berge und hinterher rennen ist einfach nur witzlos. Schöner Versuch, aber vollkommen fruchtlos. Deshalb schachte ich dann doch das Absid aus, damit wir dort das Wasser kochen können. Die Schaufel ist nicht sonderlich effizient als Deckelersatz, aber immerhin besser als ganz ohne.

Bevor wir versuchen uns dem Geräuschpegel des Zeltes im Sturm durch Schlaf zu entziehen, rufe ich nochmal nach draußen: “Wir hatten schon genug Wind! Jetzt ist aber auch mal wieder gut! Morgen will ich nix mehr davon hören!”…

Tag 6: 09.03.2011
Ich glaube nicht, dass der Wind wirklich von meinem Geschimpfe am Vorabend beeindruckt war, aber es ist nahezu windstill als wir aufwachen. Dafür schneit es. Aber alles ist besser als Wind! Außerdem wollen wir heute nur noch bis Sandhaug weiterziehen.

Aber bevor es losgehen kann, muss zunächst das Zelt freigeschaufelt werden. Und selbstverständlich alles in die Pulkas gepackt werden.

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Die Aussicht auf die warme Hütte sorgt für beste Laune und  gute Beine.

Deshalb sind wir gegen Mittag schon an unserem Tagesziel.

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Wir sehen Licht im Hauptgebäude, also steuern wir dieses an. Als wir „Hallo!“ sagen, werden wir von der Hüttenwärtin freundlich wegen einer Sonderveranstaltung in die Selbstbedienungshütte geschickt. Zum Glück hatten wir noch nicht angefangen auszupacken ;) Was zu erwähnen ist: hier gibt es Limo und Cola und sogar Bier…

Wir ziehen  mit Sack und Pack in die Selbstbedienungshütte ein…

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… – ich brauch nicht extra zu erwähnen, dass unser Zeug scheinbar jeden Winkel der Hütte belegt! Danach nutzen wir die Gelegenheit für ausgiebige Körperpflege.

Wir sind gerade damit fertig, da nähert sich draußen eine größere Gruppe mit Pulkas. Wer soll das sein, wenn nicht Martin Hülle mit seinen Tourteilnehmern? Diese Annahme bestätigt sich wenige Minuten später, als die fünf auf eine kurze Rast in die Hütte kommen.

Wir unterhalten uns über die letzten Tage und die Wetter- und Schneeverhältnisse und was wohl noch so kommen wird. Schließlich sind sie entgegengesetzt unterwegs, wenn auch nicht ganz auf unserer geplanten Route. Sie haben ihr Etappenziel jedoch noch nicht erreicht und ziehen weiter. Wir verabschieden uns und wünschen uns gegenseitig noch schöne Tage und besseres Wetter.

Am Nachmittag treffen 2 Engländer ein und am frühen Abend wird die „Hüttenbesatzung“ noch von drei weiteren deutschen Skitourengehern komplettiert. Wir verbringen einen amüsanten Hüttenabend in einer lustigen Runde!

Tag 7: 10.03.2011
Wir starten den Tag mit einem ausgiebigen Frühstück und guter Unterhaltung. Dann trennen sich unsere Wege. Die 3 Deutschen gehen nach Duranut zu ihrem Auto. Die Engländer nach Lågaros. Und Tomie und ich peilen Litlos an. Aber die Hütte wollen wir erst morgen erreichen. Wir starten bei verhaltenem Sonnenschein über den See. Das diffuse Licht lässt nur schwer Konturen erkennen, weshalb wir oft vollkommen überrascht in Schneewehen einsinken.

Da dieser Abschnitt der Strecke noch nicht markiert ist, müssen wir uns nun auch selbst um die Navigation kümmern. Es trübt sich immer mehr zu. Ab un zu setzt leichter Schneefall ein. Es ist schwer fixe Punkte zur Orientierung in der Ferne auszumachen, deshalb verlassen wir uns auf das GPS. Ich wage trotzdem immer mal einen Blick auf die Karte. Ich wähne uns allerdings zwei Kilometer weiter als wir tatsächlich sind. Deshalb folge ich Tomie etwas skeptisch links um einen Berg mit einer steilen Flanke, die sich noch steiler in einem Flussbett verläuft. Meine Pulka kippt ständig um. Das kostet Kraft. Ich beginne wegzurutschen und in mir macht sich leichte Panik breit, weil ich die Situation nur schwer kontrollieren kann. Aber mit Tomies Hilfe, der meine Pulka immer wieder aufrichtet, komm ich aus der “Gefahrenzone”.

Jetzt ist erstmal eine Pause fällig nach der ganzen Aufregung. Dort stellt sich dann auch raus, dass wir noch längst nicht dort sind wo ich meine zu sein und somit auch, wieso wir links und nicht rechts um den Berg gelaufen sind ;)

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Im weiteren Verlauf wird der Schnee immer tiefer. Wir stochern uns Meter um Meter voran. Wir halten auf eine Wechte zu, da die Konturen nur schwer zu erkennen sind, aber wir drehen rechtzeitig ab. Gerade als wir auf den Bismarvatnet herunter blicken, zeigt sich auch die Sonne wieder – wir haben Sicht! Das motiviert und wir ziehen unsere Spuren einsam über den See.

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Der Schnee ist hier tief und locker. Hier scheint es die letzten Tage nicht geweht zu haben. Entsprechend anstrengend ist der kurze Anstieg nach dem See. In der Ferne sehen wir zwei andere Skiwanderer mit Pulka, aber unsere Wege treffen sich nicht. Wir gehen noch eine Weile weiter und treffen dann vermutlich auf ihre Spuren, die das vorankommen etwas erleichtern.

Als unser letzter Tropfen Tee ausgetrunken ist, entschließen wir uns einen Zeltplatz zu suchen. Bei Windstille und fast wolkenlosem Himmel bauen wir das Zelt auf. Nebenbei läuft der Kocher, so dass wir Essen können, als das Zelt eingeräumt ist.

Danach lassen wir den Tag nochmal Revue passieren und schauen voller Vorfreude auf den nächsten Abschnitt, bevor wir einschlafen.

Tag 8: 11.03.2011

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Wir kriechen aus dem Zelt und stellen fest, dass von den Spuren, denen wir am Tag zuvor zum Schluss gefolgt sind nix mehr zu sehen ist. Wind und Schnee sei dank :/ Also doch wieder selbst den richtigen Weg suchen.
Wir starten bei ganz guter Sicht. Auf dem Weg zum Ambjørgsvadnet wird es wieder trübe. Die leichte Abfahrt dorthin ist wirklich interessant, weil man quasi nix sieht. Nur mit Mühe erkennen wir den See. Ich bilde mir ein noch Konturen zu erkennen, also übernehme ich die Navigation. Erstmal bis zur Insel. Diese soll eigentlich nur kurz geschnitten werden. Am Ende laufen wir jedoch quer drüber ;)

Lediglich die Aussicht auf die Abfahrt zur Hütte, lässt uns den 100 Hm Anstieg vom See motiviert angehen. Die reinste Schinderei! Und man sieht nicht mal wieviel man noch vor sich hat.  Selbstverständlich liegt auch hier wieder weicher und tiefer Schnee. Ich habe teilweise das Gefühl, dass wir keinen Meter vorankommen. Aber nachdem es uns wieder kräftig entgegen stürmt ist es dann doch irgendwann geschafft.
Und jetzt nur noch runter. Ich schieb mich an und um nicht vom Weg abzukommen, schaue ich dabei aufs GPS. Ich sehe nur das Display vom GPS und meine Ski über die der Schnee weht. Ich freue mich wie locker man hier einfach rutschen kann, ohne etwas tun zu müssen. Als ich den Kopf hebe, fällt mir auf das ich stehe. Manchmal ist die Realität schon gemein ;)
Als wir in der Hütte in Litlos angekommen sind freuen wir uns riesig. Draußen ist es alles andere als schön.

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Wir heizen ein und checken danach den Vorratsraum. Tomie hat in Sandhaug Appetit auf Köttbullar bekommen. Deshalb verzichten wir auf unsere Tütenmahlzeit und kochen Nudeln und eine Dose Köttbullar. Zum Nachtisch gibt es lecker Kekse mit Schokocreme und Fruchtcocktail und Pfirsiche während es draußen kräftig stürmt.

In der Hütte gibt es leider kein Radio, aber mir fällt ein, dass mein MP3 Player auch eine Radiofunktion hat. Deshalb versuchen wir einen Sender zu finden, um eventuell die Wettervorhersage zu hören. Wir bekommen Empfang, aber vom Wetter bekommen wir nix mit, aber ständig wird etwas von Katastrophe und Atomkraft und Japan wiederholt. Wir diskutieren eine Weile darüber was da wohl passiert sein kann, bevor wir in die Betten krabbeln.

Tag 9: 12.03.2011
Als wir aus dem Fenster schauen stürmt es noch immer. Wir frühstücken in aller Ruhe. Keine Wetterbesserung.

Erst nach dem Mittag kommt die Sonne raus und der Wind flaut ab. Also geht es weiter.

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Ziel ist vorerst das andere Ufer des Kvennsjøen zu erreichen. Auf dem Abschnitt über den Litlosvatnet nehmen wir scheinbar jede Schneewehe mit, die der See bereithält – deshalb kommen wir auch nur mühsam voran. Im weiteren Verlauf ist der Schnee jedoch nicht mehr so tief.

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Am ursprünglichen Tagesziel angekommen, entschließen wir aufgrund des schönen Wetters und den guten Beinen, gleich noch den ersten Anstieg Richtung Hellevassbu hinter uns zu bringen. Bei einer Pause mit ausgiebigem Sonnenbad – wenn sie sich schon mal zeigt ;) – packen wir die Kurzfelle aus und bereiten die Ski vor.

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Die Höhenmeter sind schnell überwunden – dank der festen Schneedecke.

Auf dem Plateau genießen wir den Rückblick nach Litlos.

Wir folgen ein paar verwehten Scooterspuren bis zum Tuevatni, wo wir einen wundervollen Platz finden, um das Zelt aufzubauen. Ungefähr Halbzeit bis zur Hellevassbu. Windtechnisch eher ungünstig, aber im Moment ist es nahezu windstill und der kleine Hügel im Nordosten wartet nur darauf von mir bestiegen zu werden ;)

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Es ist so mild, dass wir den ganzen Abend das Zelt offen lassen, während wir draußen sitzen. Erst nach Sonnenuntergang verziehen wir uns ins Zelt. Echtes Traumwetter!

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Tag 10: 13.03.2011
Wind! Wie sollte es anders sein? Die Sicht ist auch alles andere als gut, deshalb schlafen wir noch ein paar Stunden länger. Hilft aber auch nix.

Aussicht auf Besserung gibt es auch nicht, deshalb starten wir einfach. Durch den Tiefschnee. Scheinbar überall ist nur Tiefschnee. Deshalb haben wir auch nix von der ersten Abfahrt. Nur, dass wir unten angekommen wieder 150Höhenmeter rauf müssen :/ Wir sind froh oben anzukommen und freuen uns auf die “krasse Abfahrt”. Aber bis auf die letzten etwas steileren Stiche zur Hellevassbu will es nicht so wirklich rutschen. Kurz vor der Hütte kommt dann richtig Spass auf. Ich kann die nicht erkennbare Abfahrt irgendwie stehen, aber Tomie reißt es von den Ski – dabei geht unsere Karte verschütt – aber wir können sie retten.

Dann beginnt ein entspannter Hüttenabend…

Tag 11: 14.03.2011

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…und es folgt ein relaxter Hüttentag. Da wir noch 5 Tage bis zu unserer geplanten Rückreise haben, entscheiden wir uns einen Tag in Hellevassbu zu bleiben. Die Sicht ist sowieso nicht die Beste und ein Ruhetag kann auch nicht schaden. Bis Haukeliseter sind es nur noch 2 Tagesetappen. Notfalls auch 3.

Weil wir nicht ganz untätig rumhängen wollen, räumen wir die Hütte auf und holen neues Holz aus dem Schuppen. Da wir keine Kerzen in der Hütte finden, suchen wir in der kleinen Hütte nebenan. Hätten wir geahnt, dass diese zugänglich ist, wären wir wohl tags zuvor dort eingecheckt, aber jetzt ist die große Hütte warm und deshalb bleiben wir auch dort.

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Wir lesen im Hüttenbuch und machen unseren ersten Eintrag auf dieser Tour. Jetzt da sie fast zu Ende ist und es schon was zu erzählen gibt.

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Tag 12: 15.03.2011
Der Tag beginnt mit einem Panncake-Frühstück. Danach verlassen wir die Hellevassbu. Zuerst müssen wir wieder bergauf. Hab ich schon erwähnt, dass überall Tiefschnee ist? Wir sinken jedenfalls mit jedem Schritt tief ein. Wir erreichen die Knutsbu gerade rechtzeitig für eine Pause. So kommen wir wenigstens für kurze Zeit aus dem kalten Wind raus.

Kurz nachdem wir unseren Weg fortsetzen und das anderen Ufer des Sees erreichen, taucht eine Gruppe von 5 Norwegern/-innen mit schweren Rucksäcken vor uns auf. Sie kommen aus Haukeliseter, haben auch schon eine Nacht im Zelt verbracht und wollen von uns wissen, wie weit es noch bis zur Hellevassbu ist. Nach einem kurzen Gespräch ziehen sie in unseren und wir in ihren Spuren weiter. Das ist deutlich leichter zu gehen und wir machen richtig Meter. Am Årmotvatni treffen wir auf frische Scooterspuren, die das vorankommen nochmals beschleunigen. Das Tagesziel ist eigentlich erreicht. Wir wollen nun jedoch noch bis zum Mannevatn gehen, schließlich ist es noch früh am Nachmittag und wir sind gerade warmgelaufen.

Der Anstieg hinauf zum See ist total ätzend und ich mach drei Kreuze als der geschafft ist. Voll fixiert auf die Spur der 5 Norweger ziehe ich fast am See vorbei. Tomie fragt etwas irritiert: “Wollen wir  jetzt durchziehen?” Wir machen eine Pause und schauen auf die Karte. Nochmal 120 Höhenmeter rauf und dann bergab und flach. Die paar Meter hoch schaffen wir jetzt auch noch und dann warten 400 Höhenmeter Abfahrt und ein Restaurant auf uns… Also gehen wir weiter. Als wir den höchsten Punkt erreichen, sind wir sichtlich erleichtert. Nur noch bergab. Wenn das nix ist!

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Von wegen! Gerade als der gekvistete Streckenabschnitt beginnt geht es munter kurze, steile Hügel rauf und wieder runter und wieder rauf. Die Pulka bleibt ständig in der Spur klemmen, was das Vorankommen speziell bergauf erschwert. Ich brech in Jubel aus, als ich vor der letzten Abfahrt nach Haukeliseter steh. Das ist mal ne Abfahrt. Etwas verhalten starte ich den Slalom hinab. Das ist wirklich ein toller Abschluss einer wunderschönen Tour trotz mäßigem Wetter.

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In Haukeliseter angekommen stürmen wir das Restaurant. Wir begießen das Ende unserer Nord-Süd-Querung mit Bier und bestellen uns Fleisch! Wir sind uns einig, dass wir die Strecke andersrum nicht hätten laufen wollen – auch nicht mit Rückenwind ;)

Rückreise
Mit dem Bus fahren wir zurück nach Olso.

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Dort geht es dann weiter mit der Nachtfähre nach Dänemark. Die Dusche in unserer Kabine ist eine echte Wohltat.

Nach einer erholsamen Nacht auf dem Meer steigen wir in Fredrikshavn wieder in unser Auto und fahren nach Hause…

4 thoughts on “Hardangervidda – im Winter von Finse nach Haukeliseter

  1. Hi ihr Beiden, toller Bericht und ich freu mich schon auf die nächste Wintertour!!
    Könnt ihr noch eine Ausrüstungsliste veröffentlichen? Das wäre supiii!!!

  2. Hi, welcher Teil der Ausrüstung interessiert dich den genau?
    VG cathohi

  3. Hi,

    Excellent trip report, very enjoyable to read despite Google translate’s every attempt to garble your words. I wish I could have read it in non-translated English*, have you considered blogging in English?

    Which size of Fjellpulken do you use?

    Cheers,
    Tor Magnus

    *) Norwegian would of course have been even better for me, but I figure English would give you a bigger audience. ;)

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