“Nice little walk” im Kebnekaise Gebirge

Endlich ist es soweit – Urlaub! Am 23.07.2010 starten wir nach der Arbeit mit dem Auto gen Norden. Richtig, wir fahren mit dem Auto. Und weil wir unterwegs noch was für unsere Cachestatistik tun wollen, nehmen wir auch nicht die Fähre sondern fahren durch Dänemark und über die Öresundbrücke. Aber so weit sind wir noch nicht.

Anreise
Auf der Autobahn ist überraschend wenig los, sodass wir gut voran kommen und gegen 2:00 Uhr Kolding in Dänemark erreichen. Dort suchen wir uns ein ruhiges Plätzchen und versuchen im Auto ein wenig Schlaf zu bekommen – erholsam ist was anderes, deshalb entschließen wir nach ca. 5 Stunden das mit dem Schlafen aufzugeben und uns dem ersten Highlight unserer Reise zu widmen: dem Koldinger Powertrail.

Als kleine Einstimmung aufs Wandern werden so ungefähr 10km zurückgelegt. Ca. alle 200m muss man sich bücken, um einen Microcache aufzuheben und zu loggen. Das artet regelrecht in Stress aus – wir brauchen dringend einen Stempel! Logbucheintrag, im Gehen den Cache auf dem GPS als gefunden markieren und den nächsten anpeilen, nebenbei noch eine Fieldnote auf dem Ipod speichern – da kommt man schon mal ins stolpern und kaum ist man fertig, ist man schon am nächsten Cache angekommen. Zum Glück sind nicht mehr alle Dosen aktiv… Aber die Sonne scheint und nach den ersten 7 Caches hat man das Prozedere optimiert und kann auch die Landschaft ein wenig genießen. Gegen halb 11 sind unsere ersten 28 dänischen Caches gefunden und wir setzten unsere Fahrt mit dem Auto fort, schließlich haben wir noch einige Kilometer vor uns.

Nicht ganz 2 Stunden später sind wir zumindest schon mal im richtigen Land – Schweden! Hier nehmen wir die Inlandsstrasse, schließlich ist die Anreise schon Urlaub und wir haben Zeit.

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Pausen machen wir dort, wo das GPS auch einen Cache ankündigt bzw. wo es unser Hunger befiehlt. 22 Uhr biegen wir auf einen Rastplatz ab und stellen umzingelt von Mücken unser Zelt auf – die Nacht ist wesentlich bequemer und entspannender. Trotzdem treibt es uns am nächsten morgen um halb 7 weiter. Die Mücken fallen zur Begrüßung über uns her und wir verfluchen, das Deet so weit weggepackt zu haben. Heute liegen ca. 900km vor uns. Ziel ist Trollforsen bei Moskosel – eine der größten Stromschnellen Europas.

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Echt beeindruckend welche Wassermassen sich dort in kürzester Zeit ihren Weg suchen.

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Natürlich gibt es auch hier jede Menge Mücken, aber heute sind wir vorbereitet :P Es ist bewölkt und beginnt ab und zu zu nieseln.

Auch am nächsten Morgen werden wir nicht von einem atemberaubenden Sonnenaufgang geweckt, sondern bauen unser nasses Zelt gegen 7 Uhr ab und gegeben uns auf die letzten 400km im Auto.

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Ziel Nikkaluokta. Unterwegs rufen wir schon mal dort an und buchen das Boot für den nächsten Tag, um so 12km durch die Vistasvagge abkürzen zu können. Bevor wir endgültig in die Pampa abbiegen kaufen wir in Kiruna noch unsere Frühstücksverpflegung für die Tour, eine Packung Nudeln und 2 Bier fürs Abendessen. Dann verdrücken wir noch einen Burger mit Pommes zum Mittag – typisch schwedisches Essen eben ;)

14 Uhr erreichen wir den Ausgangspunkt für unsere Tour – Nikkaluokta. Wir melden uns an, bezahlen die Parkgebühren fürs Auto und unsere Bootsfahrt und bauen dann das Zelt auf. Nächste Amtshandlung ist eine ausgiebige Dusche. Wir legen sofort Mückenmittel auf und dann räumen wir das Auto aus, packen schon mal grob unsere Rucksäcke und sortieren den sonstigen Kram im Auto scheinbar ohne System und so ist es an diesem Tag nicht das letzte Mal, dass wir den Kofferraum komplett umräumen ;) Aber solange man sich bewegt wird man wenigstens von den Mücken verschont.

Zur Zubereitung des Abendessens haben sie uns so weit, wir packen das Mückennetz aus. Wir fangen damit an und alle anderen auf dem Zeltplatz ziehen nach. Allerdings kann man so weder essen noch Bier trinken, also ertragen wir die Mücken in unserem Gesicht und beeilen uns mit dem Verzehr von Nudeln und Bier ;) Danach geben wir uns geschlagen und verziehen uns ins Zelt, wenigstens hier hat man Ruhe vor den Biestern. Das kann ja lustig werden in der Vistasvagge…dann setzt der Regen ein und wir machen die Augen zu.

Tag 1: 27.07.2010
Am nächsten Morgen immerhin kein Regen, es ist bewölkt und ein leichter Wind geht, nahezu keine Mücken. Trocken wird das Zelt trotzdem nicht. Unsere Zeltnachbarn werden mich leise verfluchen, als ich versuche durch kräftiges Schütteln wenigstens einen Großteil des Wassers vom Zelt zu bekommen ^^ Danach nutzen wir noch ein letztes Mal für die nächsten Tage das Servicehaus, packen die Rucksäcke und Frühstücken. Ich werde erst auf den letzten Drücker fertig mit meinem Gepäck.

Punkt 8 Uhr sind wir am Bootsableger, wo ca. 3 Sekunden zuvor unser Fahrer eintrifft. Etwas herrisch und in einem Tonfall, der keinen Widerspruch erlaubt, weißt er Tomie an die Leinen los zu machen und ich soll mir die Schwimmweste anziehen. Nachdem Tomie seinen Teil erledigt hat und auch auf dem Boot ist, müssen wir uns alle auf eine Seite des Bootes lehnen (ob Bug- oder Steuerbord entzieht sich meiner Kenntnis), damit sich das Regenwasser an einer Stelle im Boot sammelt und abgeschöpft werden kann. Dies erledigt der “Kapitän” selbst und Tomie legt in der Zeit seine Schwimmweste an.

Dann geht die Fahrt los. Tomie ist begeistert und ruft mir zu: “Das ist ja wie in den Mangroven!” Ein paar Enten finden unsere Fahrt nicht so lustig und ergreifen die Flucht.

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Das Wasser ist überraschend klar und flach. Als wir im Schritttempo eine Flachstelle überwinden, meinen wir schon das war’s, aber es geht noch ein paar Kilometer weiter. Am Ziel angekommen werden wir wieder im Befehlston instruiert: Westen in die Tasche und den Reißverschluss zu! Wir verabschieden uns, empfangen noch ein paar Hinweise, wie wir zum Weg finden und beste Wünsche für die nächsten Tag, dann zieht er winkend von dannen. Wir stehen kopfschüttelnd am Ufer und machen uns startklar, während die Mücken über uns herfallen.

Wir beginnen also unseren “Nice little walk” durch den Birkenwald. Pfitsch, pfatsch… “naja, wir sind ufernah. Wird bestimmt gleich besser!” versuche ich mich aufzumuntern. Tomie genießt es mit seinen Lundhags Syncro durch den Sumpf zu stapfen. Ich habe glücklicherweise meine Gamaschen an. Die Mücken nerven trotz leichtem Niesel – auch diesbezüglich keimt leise Hoffnung auf Besserung in mir auf.

An diesem Tag lag ich jedoch in allen Punkten daneben. Wenn ich den Matsch zu Beginn schon als unangenehm empfunden hab, dann konnte ich mich über manche Abschnitte auf unserer ersten Etappe erst Recht freuen.

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Außerdem Büsche, bzw. halbe Bäume, die ihre nassen Blätter an unseren Hosen abstreifen – herrlich! Wasser von oben, unten und auch noch von der Seite. Dazu dieser nervende Ton der blutrünstigen Sauger im Ohr. Das Mückennetz wird nicht mehr abgesetzt! Irgendwann entscheide ich mich, meine klatschnasse Hose gegen die Regenhose zu tauschen – hätte man ja auch schon früher auf die Idee kommen können.

Der Weg ist deutlich länger, als wir gestern Abend auf der Karte abgeschätzt haben, deshalb entscheiden wir uns nicht erst an der 3. Brücke einen Zeltplatz zu suchen, sondern stellen bereits an der 2. unser Zelt direkt vor einen Shelter.

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Dieser ist prädestiniert zum Klamotten trocknen. Nach einer kurzen Verschnaufpause in der Hütte und der Begrüßung durch den Bewohner, einen Lemming, genehmigen wir uns ein Bad in den eiskalten Fluten des Bachs bis mal wieder der Regen einsetzt.

Die Klamotten hängen wir in den Shelter und legen uns ins Zelt, werfen noch einen Blick auf die Karte und harren der Dinge – also dem Regen und der Mücken. Wir sind uns einige, dass Regen besser ist als Mücken. Dann wird noch schnell Wasser gekocht, in die Tüte gekippt und gegessen, bevor wir versuchen einzuschlafen.

Tag 2: 28.07.2010
Eine lange, unruhige Nacht ist vorbei. Der Regen scheinbar auch. Leichter Wind – wir wagen uns also raus und prüfen die Mückenlage. Noch ist alles bestens, also können wir das Frühstück nach draußen verlegen.

Die Klamotten im Shelter sind noch genauso nass wie wir sie dort aufgehängt haben, also wird jede Leine am Zelt behangen und die Klamotten trocknen zügig im leichten Wind und sporadischem Sonnenschein.

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Heute wartet der erste längere Anstieg auf uns. 500 Hm müssen bis zur Kaskasvagge überwunden werden. Wir packen nach einem ausgiebigen Frühstück also unsere trockenen Klamotten und das trockene Zelt zusammen und begeben uns auf die nächste Etappe.

Für die letzten Kilometer durch den Wald ziehen wir diesmal gleich die Regenhose an, aber wie der Zufall will völlig umsonst. Die Sträucher und Bäume sind trocken und wir bleiben es heute also auch. Aber lieber so als andersrum :)

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Bei einer ausgedehnten Rast wechseln wir die Regenhose wieder gegen die Traverse Pro, schließlich sind wir oberhalb der Baumgrenze und das Klima in der Regenhose nicht wirklich angenehm. Die Aussicht auf die Vistasvagge ist grandios und Mücken scheint es hier auch keine zu geben. So macht wandern bzw. Pause machen Spaß.

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Ein neugieriges Rentier schaut uns aus der Ferne dabei zu. Beim Blick auf die Karte entschließe ich mich, einen kleinen Umweg über den Gipfel des Njunni zu machen – kein wirkliches Highlight, weil mit 1040m nicht wesentlich höher als der Pass an sich. Tomie spart sich die Extrameter und wartet auf mich. Zwei Rentiere beobachten meinen “Gipfeltriumpf” als scheue Zaungäste. Das Panorama ist herrlich, auch wenn die Gipfel der Berge um mich herum von Wolken verhangen sind.

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Nächstes Ziel ist die Kaskasvagge Stugan, die wir gegen 14 Uhr erreichen. Dem Hüttenfieber verfallen entscheiden wir nicht weiter zu gehen und unser noch ca. 8km entferntes Basecamp zu beziehen, sondern die Nacht hier zu verbringen. Das Wetter läd zu einem Sonnenbad ein. Also Kochen wir uns einen Kaffee und suchen uns ein schönes Plätzchen mit unseren Isomatten vor der Hütte, um das schöne Wetter und die geniale Kulisse zu genießen.

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Außerdem fangen wir an darüber zu philosophieren welcher Berg dann morgen bestiegen werden muss, einig werden wir uns jedoch nicht – mal sehen wer Recht behält.

Wir nutzen die Gelegenheit ein paar unserer Klamotten zu waschen, betreiben intensive Fußpflege, räumen in unseren Rucksäcken herum und tun was man eben so tut um einen halben Tag an einer gemütlichen Hütte zu verbringen…

Tag 3: 29.07.2010
Kurz vor 6 Uhr sind wir schon am Frühstücken. Vor der Hütte haben wir ein passendes Plätzchen dafür gefunden. Die Sonne strahlt und macht es angenehm warm – herrlich. Kein Wind und trotzdem keine Mücken – anscheinend sind wir sie nun endgültig los ^^

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Bestens gestärkt ziehen wir also weiter in das Tal hinein um uns ein geeignetes Plätzchen für unser Basislager zu suchen, schließlich so meinen wir zumindest, werden wir uns dort ein paar Tage aufhalten…

Wir queren die Brücke und steigen ganz langsam und kontinuierlich parallel zum Fluss ca. weitere 400 Hm übers Geröll auf.

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Eine Fuhrt steht heute auch an. Wir suchen lange nach einer günstigen Stelle, aber die scheint es nicht wirklich zu geben – also stochern wir einfach drauf los und erwischen diverse Male auch einen lockeren oder glitschigen Stein. Die Füße bleiben glücklicher Weise trocken.

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Wir kommen an ein paar schönen Stellen zum Zelten vorbei, aber noch zu weit vom ersten angepeilten Gipfel entfernt. Übrigens sollte ich Recht behalten, welcher der Berge unser erstes Ziel sein wird ;P

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An einem See finden wir dann die perfekte Stelle für unser Basiscamp. Einzelne Steine werden noch von der Stellfläche entfernt und dann wird das Zelt aufgebaut und schon mal eingerichtet.

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Nachdem alles so ist wie es uns gefällt, wird der Rucksack für den Aufstieg gepackt. Nur das wichtigste kommt mit. Kamera ja, Stativ nein – wofür hatten wir das Stativ gleich nochmal mitgenommen? :X

Das Wetter ist jedenfalls perfekt für den Gipfelsturm. Zuerst muss der See umrundet werden, natürlich über ein Blockfeld. Das Schneefeld ist etwas ungeheuerlich, also wird es umgangen und dann heißt es erstmal Höhenmeter machen. Route ist also klar – so schnell wie möglich hoch. An einigen Stellen erfordert das ein paar kurze Klettereinlagen und deshalb wird für den weiteren Aufstieg die Lage sondiert und von der Ideallinie abgewichen.

500Hm vom Gipfel entfernt bietet ein großer Stein die perfekte Gelegenheit für eine kurze Verschnaufpause und um die Aussicht zu genießen. Verdammt ist es schön hier. Dann geht es weiter bis auf den Kamm. Von hier ist die Sicht schon grandios, alles wird schon mal digitalisiert, möglicherweise zieht kurz vor dem Gipfel noch eine Wolke ran ;)

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Aber die Wolken bleiben weg und die 360° Sicht offenbart sich in all ihrer ungetrübten Herrlichkeit.

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Unser Zelt ist nur noch ein winziger roter Punkt. Der Süd- und der Nordtoppen des Kebnekaise strahlen in der Sonne.

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Die Kaskasavagge und Kuopervagge liegen uns zu Füssen…

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…und als ob das nicht genug Belohnung für den Aufstieg ist, halten wir die erste Dose des “Nice little walk and back again” in den Händen.

Zeit für einen ausgiebigen Fototermin. Alles wird zig mal abgelichtet um sicher zu gehen, dass auch wirklich alles im Kasten ist.

Aus Richtung Kebnekaise ziehen langsam Wolken heran, also sollte der Abstieg nicht so lange auf sich warten lassen, wer weiß wie schnell das Wetter umschlägt. Für den Weg hinab wird dann auch die etwas längere, dafür nicht so steile Route in Kauf genommen. Nicht ganz ohne Verletzungen erreichen wir das Basislager, aber mit einem seltsamen Dauergrinsen – immer noch die Rundumsicht vom Gipfel vor Augen.

Hier angekommen kümmern wir uns um die Auswertung des Hinweises für die nächste Stage des Caches. Tomie gibt die Koordinaten ins GPS und schaut mich schockiert an: “Der ist ganz schön weit weg.” Zumindest weiter als von uns erwartet, trotzdem beschließen wir die nächste Stage anzugehen und dann erneut zu entscheiden wie wir unsere Route fortsetzen werden.

Der See wird ausgiebig bebadet… eben bis die Krämpfe in den Füssen zu schmerzhaft werden. Als der Regen beginnt verziehen wir uns ins Zelt und schlagen noch einmal die Karte auf, planen die nächste Etappe und philosophieren darüber, auf welche Berge uns die nächsten Stages des Caches führen werden…

Tag 4: 30.07.2010
Die Nacht war stürmisch und ein kurzer Blick aus dem Zelt macht es einem nicht schwer einfach nochmal in den Schlafsack zu kriechen und zumindest die Augen zu schließen. Ein zweiter Blick macht es nicht besser, wir sind mitten in einer dunklen Wolke – von Sicht kann man nicht sprechen und nieseln tut es auch. Mit dieser Erkenntnis studieren wir nochmal die Karte und verwerfen letztlich unseren ursprünglichen Plan und überlegen uns eine Alternative.

Den Kungsleden kennen wir schon und laufen wir ja in 8 Tagen bei den Fjällräven Classics, deshalb wollen wir nach Tarfala laufen, dort gibt es auch noch ein paar Caches zu finden und von dort aus weiter zur Kebnekaise Fjällstation – schließlich wartet dort auch noch ein Berg auf uns. Als das geklärt ist, packen wir unseren Krempel in die Rucksäcke und verlassen unser schönes Basislager :(

Sicht ist quasi nicht vorhanden und so hangeln wir uns vorsichtig von Stein zu Stein um den See herum. Als dies geschafft ist, inspizieren wir noch kurz eine weitere günstige Stelle zum Zelten, die sich am Vortag beim Aufstieg gezeigt hatte, da tauchen auf einmal Rentiere im Nebel vor uns auf. Scheinbar um uns den Weg zu zeigen, denn sie laufen genau in die Richtung, in die wir meinen gehen zu müssen.

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Ich beginne zu zweifeln, ob wir überhaupt noch richtig sind, denn rechts, links und hinter uns erkennt man große weiße Flächen – im günstigsten Fall Schneefelder im ungünstigsten Gletscher. Aber Tomie lässt sich von mir nicht beirren und stapft vorneweg. Wie aus dem nix haben wir auf einmal Sicht. Wir sind auf einem Plateau und können das Tal vor uns überblicken. Neben uns steht eine ganze Herde Rentiere mitten auf einem Schneefeld – es wird Zeit die Kamera auszupacken :)

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Als nächstes steht der Pass vom Kaskasavagge in den Kuopervagge an, wir hüpfen also weiter von Stein zu Stein. Fast oben angekommen überholen uns 2 Schweden, die uns empfehlen lieber die kleinen Steine zu nehmen, weil das nicht so anstrengend ist – das probieren wir sofort aus und sie sollten Recht behalten.

Oben angekommen bläst uns der Wind voll entgegen und der Regen geht in Hagel über. 10 Minuten später scheint die Sonne.

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Als wir den Kuoperjaure erreichen beginnt es wieder zu regnen und wir entscheiden uns ein Plätzchen fürs Zelt zu suchen und den die nächste Passüberquerung für den folgenden Tag aufzusparen, schließlich haben wir ja jetzt jede Menge Zeit.

Gesagt getan. Tomie meint dabei noch, hoffentlich steigt der Pegel des Bachs 5m neben uns nicht zu stark an wegen des Regens, nicht dass wir am Ende im Bach stehen. Aber Alternativen gibt es auch nicht wirklich.

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Als das Zelt steht setzt der Regen kurzfristig aus und wir setzen uns auf einen der Steine um uns herum, um diesen Moment zu genießen. Der leider viel zu kurz anhält. Der Wind frischt auf und was den Geräuschpegel im Zelt deutlich erhöht.

Tag 5: 31.07.2010
Es regnet und windet noch immer. Dank unserer Routenänderung haben wir jede Menge Zeit und so bleiben wir einfach im Zelt liegen. Notfalls bleiben wir heute eben hier, auch wenn wir schon nicht mehr wissen, wie wir im Zelt sitzen oder liegen sollen.

Das Frühstück wird ausgedehnt und wir kochen uns einen Tee. Dabei fällt mir eine Pfütze im Absid auf – wohl von der Zeltwand und wegen dem Untergrund sammelt es sich eben dort. Also baue ich mit meinem Spork einen Abfluss quer durch den Absid und freue mich wie gut der funktioniert.

Trotz anhaltendem Regen muss Tomie das Zelt verlassen und kommt mit einer Hochwassermeldung zurück. Wir müssen hier weg. Am Vorabend hab ich mich noch lustig gemacht, aber unser Zelt steht tatsächlich mitten im Bach. Am Berg hinter uns ist auf einmal ein Wasserfall, der tags zuvor noch nicht da war.

So weit wie möglich wird der Rucksack im Zelt gepackt, Reihenfolge ist jetzt Nebensache. Als das Zelt endlich leer ist bauen wir es ab und packen es in den Rucksack. Ein paar Meter weiter steht ein grünes Tunnelzelt krumm und schief zwischen den Steinen – etwas höher und somit noch nicht im Fluss. Das war gestern Abend auch noch nicht da!

Im wahrsten Sinne laufen wir etwas bedröppelt los. Gleich zu beginn den Pass zwischen Kebnepakte und Kaskaspakte hinauf. Dank der kleinen Steine Technik sind wir ruck zuck oben, fast ohne Anstrengung.

Mit erreichen des Kaskasajaure stehen wir auf einmal vor einer Nebelwand. Ab und zu kann man die andere Seeseite erahnen. Wo soll’s jetzt weitergehen? Links ist ein Gletscher und rechts ein Schneefeld. Tomie wagt sich vor, das Schneefeld scheint begehbar zu sein, also tappe ich hinterher. Dann taucht ein Wanderer oberhalb des Schneefelds auf und wir entscheiden uns umzudrehen und den selben Weg einzuschlagen. Wir unterhalten uns eine Weile mit ihm und erfahren, dass es dann noch ziemlich steil wird und wir vorsichtig sein sollen, weil es wirklich gefährlich ist bei der Sicht. Außerdem muss ein Stück des Kebnepaktegletscher passiert werden, allerdings sollen genügend Spuren zu sehen sein.

Gletscher? Mir wird anders bei dem Gedanken an die Spalten, die wir vor 2 Tagen gesehen haben. Aber erstmal müssen wir um den See herum und das dauert ne Weile, weil man quasi fast nix sieht. Geschafft, nun suchen wir eine Möglichkeit für den Abstieg. Der Schwede hatte ja was von steil erzählt, also suchen wir uns eine Strecke nach unten, die plötzlich vor einem Schneefeld endet. Wie soll man da drauf kommen? Und ob das hält wissen wir auch nicht. Wir sehen keine Spuren und entscheiden uns wieder hochzuklettern und einen anderen Weg zu suchen.

Die Sicht ist null, überall wo wir schauen scheint es noch viel steiler zu sein und wir wissen nicht mal grob was uns 5m weiter erwartet. Mit GPS durch die “Suppe” steuern erscheint uns in Anbetracht des Geländes zu gewagt. Also suchen wir uns eine einigermaßen ebene Fläche auf dem Pass und bauen das Zelt bei starkem Wind auf. Als wir gerade versuchen die Heringe in dem steinigen Boden zu fixieren, tauchen aus dem Nebel auf einmal ein schwedisches Pärchen auf. Sie fragen uns nach dem Weg, den wir allerdings auch nicht wissen. Kurzentschlossen bauen sie ihr Zelt direkt neben uns auf und wir verabreden bei besserer Sicht zusammen nach Tarfala weiterzugehen.

10 Sekunden lang kann man die Hütten von Tarfala erkennen, ehe sich wieder alles zuzieht.

Wir ziehen die klatschnassen Regenjacken und -hosen im Regen aus, bevor wir ins Zelt krabbeln. Das gesamte Absid ist voll von unseren Rucksäcken, den Schuhen und nassen Klamotten.

Der Wind entwickelt sich langsam zu einem Sturm. Wir liegen in unseren Schlafsäcken und versuchen wieder warm zu werden und ein wenig zu schlafen. Schlafen können wir nicht wirklich, dazu flattert das Zelt viel zu laut. Durch den Lüfter beobachten wir besorgt das Carbongestänge, aber das bewegt sich nicht, während die Abdeckhaube einen Höllenlärm verursacht, weil wir nicht alle Sturmleinen optimal abspannen konnten.

Eine kurze Regenpause nutzen wir zum Wasser holen. Erstmal wieder zum See runter, denn hier oben gibt es kein Wasser, vom Regen mal abgesehen. Nachdem die Wasservorräte aufgefüllt sind, räumen wir ein paar Quadratzentimeter im Absid für den Kocher frei – es ist Zeit für einen heißen Tee und ein leckeres, warmes Tütenessen, danach sind wir wieder warm.

Mit dem MP3 Player versuchen wir die Geräuschkulisse auszublenden, dies gelingt nur bedingt. Hilft jedoch ab und zu einzuschlafen. Die NAcht ist alles andere als ruhig, der Sturm nimmt immer weiter zu. Wenn wir denken: “Schlimmer kann es nicht werden!”, zieht er noch eine Spur an. Immer wieder der prüfende Blick zum Gestänge, alles bestens.

Tag 6: 01.08.2010
Kurz vor 4 Uhr. Noch immer flattert das Zelt im Sturm. Auf einmal hören wir Jona draußen rufen und schälen uns aus den Schlafsäcken. Magda und er können nicht länger in ihrem Zelt bleiben, dies hat es im Sturm zerlegt, trotz Sicherung mit vielen großen Steinen. Obwohl es immer noch stark stürmt ist die Sicht jetzt gut und ein Weg vollkommen ohne Gletscher ist zu erkennen, der von uns als machbar eingestuft wird.

Also packen wir unsere Sachen zusammen und bauen das Zelt ab. Erst die Gestänge raus und dann trauen wir uns Stein für Stein die Heringe zu lösen, dann heißt es gut festhalten und irgendwie einpacken. Das wäre geschafft!

Wir gehen also los. Zuerst muss ein Bachbett gequert werden und dann klettern wir übers Geröll oberhalb und unterhalb von Schneefeldern und dann hinab zum See.

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Dann führt uns der Weg über zwei Schneefelder. Es sind viele Spuren zu erkennen, also wagen wir es auch.

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Gegen 6 Uhr erreichen wir die Tarfalastugan. Lars der Stugvärd schickt uns in den Aufenthaltsraum. Wir 4 lassen uns nicht lange bitten, setzen uns an einen freien Tisch, packen unser Frühstück aus und quatschen bis zum frühen Mittag. Unsere nassen Klamotten hängen wir in den Trockenraum und ein paar Sachen finden nach einem Spülgang im Fluss auch ihren Weg dorthin. Jona und Magda wollen heute noch bis zur Kebnekaise Fjällstation und wir verabreden uns für den nächsten Tag zum Abendessen. Tomie und ich bleiben in Tarfala, schließlich gibt es hier ein paar Caches zu holen ;)

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Wir fragen Lars, bevor auch er zur Fjällstation aufbricht, nach einer Möglichkeit auf den Kaskasatjåkka zu kommen. Er erklärt uns, dass man am besten über den Gletscher geht und dann ein bisschen klettern muss, wir das aber bestimmt hinbekommen, auch ohne Steigeisen. Da auf dem Tarfalapakte eine Dose versteckt ist, erkundigen wir uns, ob es nicht auch möglich ist von dort aus über den Tarfalatjåkka und dann oberhalb des Gletschers zum Gipfel des Kaskasatjåkka zu kommen. Aber ein Stück Gletscher ist laut Lars unumgänglich, weil es sonst zu steil ist und man Kletterequipment braucht.

Unschlüssig bedanken wir uns für die Auskunft und versuchen zuerst den Cache direkt an der Stuga zu finden.

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Für den Nachmittag ist Regen angekündigt. Wenn Berg dann jetzt – kurz nach 12 Uhr – noch ist strahlender Sonnenschein. Diesmal wird nicht die direkte Linie gewählt. Viel zu steil. Also wird sich erstmal an dem Pass Richtung Kaskavagge orientiert und dann zum Gipfel des Tarfalapakte abgebogen. Damit ist es zwar etwas weiter, aber auch deutlich einfacher aufzusteigen. Ca. 1,5h von der Tarfalastugan entfernt ist der Cache gefunden.

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Belohnt wird man hier oben nicht nur mit der kleinen Dose, sondern mit einer beeindruckenden Aussicht auf die drei Gletscher des Kebnekaise und mit ein wenig Glück zeigt sich auch der Gipfel, der sich an diesem Tag allerdings in den Wolken versteckt.



Immer wieder geht mein Blick auch Richtung Kaskasatjåkka. Leider ist der Himmel schon ziemlich bewölkt und auch dieser Gipfel wird von ihnen verdeckt. Also endet der kleine Cacheausflug für heute auf dem Tarfalapakte.

Auf dem gleichen Weg wie beim Aufstieg geht es wieder zurück zur Hütte. Dort ist noch immer wenig los, erst gegen Abend füllt sich die Hütte. Als Lars zurück kommt, fragt er uns, ob wir den Cache in seiner Holzhütte und auf dem Kaskasatjåkka gefunden haben. Wir staunen nicht schlecht, schließlich haben wir doch gar nix vom Cachen erzählt. Lars lacht nur und sagt: “Ich weiß wo er liegt! Letzte Woche war er noch da.”

Wir verbringen den Abend mit netten Gesprächen in der Stuga und schlafen bestens und lang, dank dem Rollo im Zimmer.

Tag 7: 02.08.2010
Als wir auf die Uhr schauen ist es schon halb 8. In der Stuga sind schon alle auf den Beinen und so gesellen wir uns in der vollen Küche dazu und machen erstmal Frühstück. Danach packen wir gemütlich unsere Rucksäcke zusammen und machen klar Schiff in unserem Zimmer. Wir verabschieden uns bei Lars und starten dann Richtung Kebnekaise Fjällstation.

Tomie hat sich seine Achillessehne entzündet, vermutlich weil seine Schuhe nicht richtig eingelaufen waren. Auf jeden Fall schmerzt jeder Schritt und so gehen wir ganz gemütlich.

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Aber es ist ja auch nicht weit bis zur Fjällstation, so erreichen wir diese gegen Mittag. Wir checken ein, suchen uns einen Platz für’s Zelt und nachdem wir uns eingerichtet haben, gibt es nur noch einen Weg: ab unter die Dusche. Welch Wohltat!

Anschließend prüfen wir den Wetterbericht für die nächsten Tage – morgen wird der beste Tag der Woche, also geht es morgen auf den großen Berg!

Dann stürmen wir den Shop und besorgen uns eine Limo bzw. Cola, endlich mal kein Flusswasser ;) Jetzt fehlt nur noch ein Stück Fleisch. Also gönnen wir uns das Dinner im Restaurant, vom Butterbrot am Salatbuffet konnten wir nicht genug bekommen. Randvoll verlassen wir das Restaurant und sind zufrieden eingeschlafen.

Tag 8: 03.08.2010
Gipfeltag. Kurz nach halb 5 wach ich auf. Tomies Fuß macht noch immer Zicken, deshalb entscheidet er sich diesen zu schonen. Schließlich gehen wir in 4 Tagen bei den Classics an den Start. Ich prüfe die Wetterlage. Strahlender Sonnenschein. Also zieh ich mich an, packe das nötigste in meinen Rucksack und nach einem Besuch im Servicehaus bin ich bereit für den Berg.

5:15Uhr breche ich also auf und schwinge fleißig meine Stöcke auf dem Västraleden. Gegen Mittag soll es schließlich wolkig werden.

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Beim Aufstieg geht mein Blick deshalb immer wieder zum Gipfel…beste Aussichten.

Kurz vor dem Gipfel des vorgelagerten Vierramvare treffe ich eine Gruppe Jugendliche, die gerade eine Pause einlegen. Als ich das erste Steinmännchen passiere, lege ich auch eine ein… Steinmännchen an Steinmännchen. So sieht das also hier oben aus. Letztes Jahr war außer Nebel hier nicht wirklich etwas zu erkennen. Das muss fotografiert werden und dann wird sich orientiert.

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Die nächste rote Markierung ist zu erkennen, also kann es weiter gehen. Erstmal wieder runter und dann weiter nach oben.

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Mit erreichen der Toppstuga kommt ein leichtes Hungergefühl auf. Deshalb nutze ich die Gelegenheit den dortigen Cache zu suchen und gönn mir einen Snack auf der Treppe vor der Stuga. Ich lass es mir nicht nehmen einen Blick ins Innere zu werfen. Letztes Jahr war hier noch alles voll Müll, heute ist alles sauber – abgesehen von einer kleinen Müllansammlung im Hauptraum. Ich suche einen Platz für einen kurzen Eintrag im Hüttenbuch, dann geh ich wieder auf die Treppe… irgendwie unheimlich in der Hütte.
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Zeit weiter zu gehen. Ich dreh mich noch kurz nach Westen, hinter mir zieht eine fette Wolke an. Ich verfluche mich für die Frühstückspause und versuche vor der Wolke am Gipfel zu sein. Natürlich gewinnt die Wolke. Als ich den Rand des Schneefeldes erreicht hab, hat die Wolke schon alles eingehüllt und es fängt sogar kurzzeitig zu schneien an. Ich hol meine warme Jacke raus und setzt mich auf einen Stein in der Hoffnung, dass die Wolke sich wieder verzieht. Tut sie selbstverständlich nicht!

Eine Viertelstunde später entscheide ich mich trotz null Aussicht über das Schneefeld zum Gipfel zu gehen. Ein Abschnitt ist ziemlich vereist, aber mit Stöcken kein Problem. Als ich den Gipfel 9:45 Uhr erreiche, bin ich ganz froh nicht viel zu erkennen, denn rechts und links scheint es ziemlich steil hinab zu gehen. In einer einigermaßen bequemen Position berichte ich Tomie per Telefon von meinem Gipfelerfolg und dann versuch ich ein Gipfelfoto zu machen.

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Wirklich gelingen will das nicht, weil ich Angst habe die schwere Kamera eventuell den Abhang hinunterfallen zu lassen. Auch die Aussicht halte ich selbstverständlich fest. Nach einer dreiviertel Stunde Gipfelglück geht es wieder zurück.

Beim Abstieg bin ich noch viel froher nicht viel zu sehen. Jeden Schritt prüfe ich mindestens drei mal. Auf einmal taucht ein Trailrunner im Nebel vor mir auf. Er fragt ob mit mir alles in Ordnung ist. Mein Anblick hat scheinbar auf was anderes schließen lassen ;) Dann rennt er in seinen Turnschuhen kurz hoch und ist beim Abstieg gleichzeitig mit mir am Ende des Schneefeldes. Wir schwatzen noch einen Moment und dann zieht er davon. 2 Stunden hat er bis zum Gipfel gebraucht. Respekt! Dann versuch ich den Rückweg auch eine Spur schneller abzureißen.

Weit komm ich nicht. Kurz unterhalb der Toppstuga werde ich das erste Mal aufgehalten. Man erkundigt sich nach der Aussicht, dem Eis, wie weit es noch ist und wann ich heute morgen gestartet bin, weil ich jetzt schon wieder zurück komme. Ich beantworte alle Fragen und wünsche ihnen viel Spaß am Gipfel. Jetzt treffe ich alle 200-500m Leute auf dem Weg zum Gipfel, alle stellen die gleichen Fragen. Einige kenne ich schon von der Tarfalastugan, bei denen wird der Plausch etwas länger.

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Ich folge strikt den roten Markierungen, auch wenn ich weiß wo es lang geht. Auch beim Queren des Kittelbäcken halte ich mich an die Markierung. Das Wasser ist an dieser Stelle schnell und auch nicht gerade flach, aber hier soll man drüber! Als die ersten Schritte gemacht sind, frage ich mich, ob das wirklich eine gute Idee war. Just in diesem Moment trete ich auf einen glitschigen Stein und lande im Wasser. Herrlich! Die Wasserkühlung in den Schuhen ist ganz angenehm, aber dann packt mich die Panik wegen der Fjällräven Classics. Wenn ich mir jetzt Blasen lauf, dann wird das kein Spaß. Das Socken wechseln hätte ich mir fast sparen können, war ja eh gleich wieder alles nass.

Kurz nach 13Uhr bin ich zurück an der Fjällstation und nutze den Luxus eines Trockenraums, um meinen Rucksack, Klamotten und Schuhe zu trocknen.

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Vermutlich habe ich auf meinem Rückweg jeden getroffen, der an diesem Tag auf den Kebnekaise wollte. Je weiter die Leute vom Gipfel entfernt waren, desto wichtiger war die Frage, wie weit es noch ist.

In der Lounge der Fjällstation erzähl ich Tomie nochmal von der Bergtour und der fiesen Wolke. Der Nachmittag ist schnell vorbei und am Abend nutzen wir die Ruhe vor dem Ansturm im Servicehaus zum Kochen. Unsere Nudeln in Käsesauce stinken gegen das Menü vom Vortag ab ;)

Nachdem wir ins Zelt gekrabbelt sind, dauert es nicht lang bis wir tief und fest schlafen.

Tag 9: 04.08.2010
Heute geht es zurück in die Mückenhölle. Trotz Tomies anhaltendem Fußproblem entscheiden wir uns die Strecke nach Nikkaluokta zu laufen – den Rentierburger am Ladtjojaure wollen wir uns einfach nicht entgehen lassen.

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Auf den Planken und ausgetretenen Wegen kommen wir auch bestens voran.

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Während Tomie um den Fuß zu schonen den Båtled über den Ladtjojaure nimmt, inspiziere ich den Fußweg in Vorbereitung auf die Classics. Am Lap Dånalds, der wichtigsten Station für heute treffen wir uns wieder.

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Hier ist jede Menge los, scheinbar nutzt jeder Wanderer die Gegebenheiten für eine Pause, die Mehrzahl zwangsläufig beim warten auf die nächste Bootsfahrt. Wir suchen uns einen freien Tisch und bestellen den “Big Lap” – 150g Fleisch O.O Lecker! Nach so einem Essen kann man nicht einfach weiter laufen, also suchen wir uns ein sonniges Plätzchen, genießen die Aussicht auf den wolkenfreien Kebnekaisegipfel *hätte das nicht gestern so sein können :/* und beobachten das Treiben rund um den Bootsanleger.

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Ein paar Stunden später setzen wir unseren Weg noch bis zum Karmasjåk fort, bevor wir unser Zelt unter der Attacke gefühlter 1000 Mücken zwischen den Bäumen aufstellen. Nachdem wir uns ins Zelt geflüchtet haben, erledigen wir eine handvoll ungebetener Gäste. Sogar durch die Zeltwand hört man die blutrünstigen Biester summen ;) Gemütlich vors Zelt setzen und den Abend ausklingen lassen fällt also aus und die Nacht wird einfach etwas nach vorn verlegt. Von Regentropfen werden wir in den Schlaf getrommelt.

Tag 10: 05.08.2010
8 Uhr – immer noch im Brutplatz der Mücken packen wir langsam unsere Sachen für die letzten 4km nach Nikkaluokta. Es regnet, entsprechend hoch ist unsere Motivation damit fertig zu werden und das Zelt zu verlassen. Außerdem warten jede Menge Blutsauger im Vorzelt auf ihr Frühstück ;)

Wir kommen jedoch glimpflich davon – nur ein paar Mückenstiche zusätzlich fangen wir uns beim Zusammenbau des Zeltes und unterwegs ein.

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Angekommen in Nikkaluokta wird erstmal das Frühstück nachgeholt. Danach suchen wir auf der fast komplett freien Wiese den unseres Erachtens besten Platz für unser Zelt.

Die Vorbereitungen für die Fjällräven Classics sind in vollem Gange.

Wir waschen ein paar Klamotten. Ansonsten ist heute nur noch chillen angesagt und das möglichst mückenfrei, deshalb machen wir es uns in der Galerie gemütlich. Am Abend treffen schon einige Teilnehmer der Classics ein, sodass sich der Zeltplatz rasch füllt. Wir nutzen die Gelegenheit und melden uns bereits an.

Noch eine Nacht im Zelt… denn wir konnten noch eine der Hütten für die nächste Nacht ergattern. Mit diesem wissen schlafen wir einfach wunderbar bis…

Tag 11: 06.08.2010
…ja bis gegen 4 Uhr ein Blitz in unmittelbarer Nähe einschlägt und der quasi zeitgleiche Donner alle aus dem Schlaf reißt. Mit einem unguten Gefühl schlafen wir aber doch nochmal ein, allerdings nicht wirklich lang.

Gegen 7 Uhr herrscht reges Treiben auf dem Campingplatz, die Teilnehmer der ersten Startgruppe der Fjällräven Classics bauen ihre nassen Zelte ab und packen ihre Rucksäcke. Inzwischen erreichen zwei weitere Busse mit Teilnehmern Nikkaluokta.

Wir fliehen aus dem Chaos und gehen erstmal frühstücken, schließlich haben wir heute noch den ganzen Tag Zeit das Zelt abzubauen. Pünktlich vorm Start sind wir damit fertig.

Wir machen diverse Gruppenfotos von Teilnehmern vorm Start und unterhalten uns angenehm. Lauschen der Eröffnungsansprache vom Event Manager Andreas Josefssonund der Begrüßung von Anna Sarri, bevor pünktlich um 9Uhr die erste Startgruppe Richtung Abisko aufbricht.

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Da bereits um 13Uhr die nächste Gruppe startet, hält die Ruhe nach dem Start nicht lange an. Wir nutzen die Zeit um unsere Sachen umzupacken und das trockene Zelt abzubauen. Alles was wir definitiv die für die Nacht und die Classics nicht brauchen landet schon mal im Auto, im Gegenzug dazu wird alles scheinbar notwendige erstmal in die Rucksäcke gepackt.

Danach mischen wir uns wieder unter die Leute und unterhalten uns hauptsächlichen mit deutschen Startern über die Veranstaltung, das Rucksackgewicht, die persönlichen Ziele und wünschen allen viel Spaß und Glück und winken ihnen beim Start um 13 Uhr zu.

Im Anschluss können wir unsere Hütte beziehen. Die Rucksäcke für den nächsten Tag werden nochmal ausgeräumt und umgepackt, manche Sachen müssen nun doch noch mit, dafür werden an anderer Stelle noch ein paar Gramm gespart. Das Gepäck was nach Abisko vorgeschickt werden soll, findet auch Platz in einem Rucksack. Abgeben und fertig.

Natürlich beobachten wir auch den Start der letzten Teilnehmer für heute. Bei der nächsten Startgruppe morgen um 9Uhr werden wir selbst dabei sein…

One thought on ““Nice little walk” im Kebnekaise Gebirge

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