Endlich ist es soweit. Mit dem Airportliner geht’s zum Flughafen München und von dort aus per Flieger über Stockholm Arlanda am nächsten morgen weiter nach Gällivare. Trotz unhandlichem Gepäck verläuft alles ohne Probleme, sogar die Gewichtsgrenze halten wir ein. Mit ca. 1,5h Verspätung erreichen wir Lappland Airport, wo bereits unser Taxi auf uns wartet.
Gepäck schnappen, verladen und ab zum Campingplatz. Dort angekommen beziehen wir eine sehr gut ausgestattet Hütte und bringen unser vorgeschicktes Paket wieder in unseren Besitz.
Etwas müde aber bester Laune starten wir anschließend eine Erkundungs- und Shoppingtour durch Gällivare. Der Bahnhof ist schnell gefunden. Dort checken wir sicherheitshalber nochmal den Fahrplan für den Bus nach Ritsem und dann führt uns der nächste Weg in der Intersport, um das Powerfuel für den Kocher zu erstehen. Zurück in unserem Quartier packen wir die Pulken für die Tour und sortieren die unnötigen Sachen in unser Paket, was wir am Campingplatz zurücklassen. Bestens vorbereitet wollen wir dann nur noch eins: Schlafen!
Am Freitag Morgen legen wir nach dem Frühstück den ersten Kilometer mit Ski und Pulka zur Busstation zurück. Überpünktlich fährt der Bus mit 3 Fahrgästen um 9:44 Uhr nach Ritsem ab. Nebenbei liefert der Busfahrer die Post aus und versorgt diverse Stationen auf dem Weg mit Lebensmittel und sonstigen Gütern.
In Ritsem angekommen buchen wir noch eine Nacht in der Fjällstation und besichtigen am Nachmittag kurz per Ski den Einstieg auf den See. Alles gut ausgeschildert und auch die Strecke über den See ist bestens abgesteckt.
Am Abend verbreiten einige schwedische Eisangler in der Gemeinschaftsküche ihr Anglerlatein und ein älterer Schwede erzählt uns von seinen ersten beiden, eher unglücklichen Tourtagen mit seiner 50kg Pulka. Nach 11h Irrfahrt ist er total erschöpft in Akka angekommen und ist am nächsten Tag zurück auf Los, um die Pulka zurückzuschicken und morgen nur mit Rucksack den zweiten Anlauf zu starten…
Tourstart: 13.03.2010
Samstag um 6:30 Uhr genießen wir Polarbröd und Hafergenuss zum Frühstück. -9°C lesen wir am Thermometer vorm Fenster: blaues Wax. Aber wir entscheiden uns erstmal die Felle drauf zu lassen -- eher aus Faulheit denn aus Überzeugung :-X
Bei Schneefall und dadurch bedingt schlechter Sicht starten wir unseren Weg übers Eis Richtung Akka. Alles ist fein markiert, so dass wir uns fragen, wie man sich da überhaupt verlaufen kann… Natürlich machen wir einige Kilometer Umweg, aber sicher ist sicher.
Ungefähr auf halber Strecke reißt der Himmel etwas auf und so kommen wir bei zaghaftem Sonnenschein in Akka gegen Mittag an. Bereits 500m vor der Stuga treffen wir Björn den Hüttenwart, der auf dem Weg zum Eisangeln ist. Wir folgen seinen Instruktionen und nutzen den von ihm vorgeschlagenen Raum zum Mittagessen und um uns etwas aufzuwärmen.
Bevor wir bei herrlichstem Sonnenschein noch ein paar Kilometer weiterziehen, legen wir nun doch Wax auf und tauschen uns mit Björn noch ein wenig über unsere geplante Route aus. Als wir meinen genug Wegstrecke für unseren ersten Tourtag abgelaufen zu haben, stellen wir das Zelt auf, Essen noch eine Kleinigkeit und packen uns recht schnell in die Daunen, um bereits gegen 19:30 Uhr tief und fest zu schlafen.
Tag 2: 14.03.2010
Kurz nach 6 Uhr klingelt der Wecker. Wir sind natürlich schon munter, aber die warmen Schlafsäcke verlassen wir doch nur nach ein paar weiteren Bedenkminuten.
Kurz vor 8 Uhr ist alles bereit zur Weiterfahrt. Frisch gestärkt und voller Elan folgen wir den Scooterspuren durch den Birkenwald.
Auf und ab und auf und ab. Die Anstiege werden stetig länger, steiler und enger. Irgendwann hat Tomie die Faxen dicke und legt wieder die Felle an. Ich geb mich erst bei einem Hammeranstieg geschlagen und zieh die Pulka inklusive Ski den Hang zu Fuss hoch. Gerade als ich die Ski wieder anlege, treffen wir den ersten Schweden, der nur mit Rucksack aus unserer Zielrichtung kommt. Bei einem kurzen Schwatz erfahren wir, dass die nächste von uns geplante Hütte geschlossen ist… macht nix, wozu haben wir das Zelt dabei. So folgen wir seinen Spuren zur Kutjaure hinab, wo wir auf eine große Gruppe Finnen (ca. ein Dutzend) treffen, die sich mit riesigen Pulken den leichten Hang hochquälen. Wir sind uns einig, dass sie sicher für etwas “größeres” trainieren, denn die Pulken sind doch ziemlich oversized für diese Gegend.
Die Strecke über den See tasten wir uns bei schlechter Sicht, wegen Wind und Schneefall, voran. Als wir Kutjaure erreichen, scheint plötzlich wieder die Sonne und so machen wir eine ausgiebige Mittagsrast vor der verschlossenen Stuga. Werfen den Kocher an und füllen die Thermosflaschen wieder mit heißem Tee auf.
Im Anschluss folgen wir noch eine Weile dem Verlauf des Voujatädne. Dabei müssen wir sogar ein paar kleine Holzbrücken queren. Tomie sagt noch: “Pass auf, dass du die Pulka gerade auf das Holzbrett ziehst!”, da merke ich wie sie hinter mir einen Abgang macht. Ist nicht weiter tragisch, beim zweiten Anlauf klappts. Natürlich hätte man auch ohne diesen Steg den Graben bewältigen können, das macht die Situation noch absurder ;-)
Hier und da schrecken wir ein paar Schneehühner aus ihren Verstecken auf oder sie erschrecken uns :P Als uns die Beine vom vielen Tiefschneetreten schwer werden, suchen wir uns ein schönes Plätzchen für unser Zelt. Bauen alles auf und genießen die letzten Sonnenstrahlen beim Wasserkochen und Abendessen.
Heute ist das erste Mal Fusspflege angesagt. Ich hab mir die Hacken schon leicht aufgescheuert, außerdem hab ich rechts und links auf den zweiten Zehen kleine Blasen -- wahrscheinlich genau dort, wo der Schuh beim Gehen einknickt. Vorerst belasse ich es dabei die Hacken zu tapen, die Blasen aufzustechen und den Füssen ne fette Ladung Efasit zu gönnen. Bei Tomies Füssen ist alles in bester Ordnung. Danach besprechen wir noch kurz die Strecke für den nächsten Tag und krabbeln in die Schlafsäcke.
Aber an Schlaf war nicht wirklich zu denken. Der viele Tee zollt seinen Tribut und so quäl ich mich nachts nochmal raus. Ich kann meinen Augen kaum glauben: Polarlichter? Nur ganz schwach, aber doch irgendwie da. In meinem Eifer hol ich Tomie aus seinen Träumen und such schonmal das Stativ für die Kamera. Nach endlosen Versuchen sind sie endlich auf dem Schirm. Fast nicht zu erkennen, aber ich weiß, dass sie drauf sein müssen O.O
Zufrieden sind wir trotzdem nicht, aber die Kälte treibt uns dann doch zurück in die Schlafsäcke. Mir war es eindeutig zu lang und meine Füssen wollen pardu nicht wieder warm werden. Da hilft nicht einmal der Taschenofen und so bibber ich die ganze Nacht vor mich hin, keine Ahnung ob ich überhaupt noch geschlafen hab.
Anmerkung Tomie: Ich habe danach noch super geschlafen Das Bild ist tatsächlich totaler Müll geworden. Keine Ahnung was ich da bei der Kamera fürn Mist eingestellt habe. Vergessen werde ich es aber trotzdem nie. Schließlich war es das lang erhoffte erste Polarlicht. *schauder*
Tag 3: 15.03.2010
Ich bin froh, als endlich der Wecker klingelt und ich beim Verpacken der Schlafsäcke und Isomatten wieder warm werde. Leicht verpeilt *ich schieb das jetzt mal auf den wenigen Schlaf* navigier ich uns weiter durch den Tiefschnee. Ich frag mich gerade was das für Hügel rechts neben uns sind, da meint Tomie auch schon: “Müssten wir nichts rechts neben den Hügeln direkt am Fluss lang?” Mist! Durchschaut ;-) Wir nutzen einen kleinen Bach um wieder auf Kurs zu kommen.
Unterwegs treffen wir auf jede Menge unterschiedliche Spuren im Schnee. Bei ein paar größeren Exemplaren denke ich erst: “Schneeschuwanderer? Aber wieso laufen die so komische Kreise?” Und die Exkremente in den Sträuchern ließen auch eher auf Tiere schließen. Keine Ahnung welche. Auf jeden Fall ziemlich große. Aber Bären machen Winterschlaf, deshalb ist alles halb so wild ;-) (…soweit die Theorie)
An einer Brücke kurz vor Sallohaure machen wir unsere erste Pause und diskutieren nochmal über die Spuren, die sich im nachhinein als Rentierspuren entpuppen. Unsere Spekulationen sind natürlich wesentlich abenteuerlicher…
Um Höhenmeter zu sparen, nehmen wir einen kleinen Umweg in Kauf und ziehen weiter entlang des Flusses Vuojatädno. Immer wieder sehen wir die mysteriösen Spuren im Schnee, aber der Verursacher zeigt sich nicht.
Den ganzen Tag scheint überall die Sonne, bloß in der Senke wo wir beide rumtappen ist es schattig und trüb.
Als wir endlich am Ende des “Schattentals” angekommen sind und wir Sicht auf den Vastenjaure haben, strahlt auch uns die Sonne ins Gesicht. So motiviert gehen wir den letzten Hügel an und haben jede Menge Spass auf der Abfahrt. Diese hat den Aufstieg auf jeden Fall gelohnt.
Wir gehen noch an den Hütten von Vastenjaure vorbei und entscheiden ca. 4km vor der Låddejåkkåstugan wieder das Zelt aufzustellen und erst am nächsten Morgen zur Hütte zu laufen, um uns dort ein wenig zu erholen. Gesagt getan und so steht das Zelt schnell und der Kocher läuft. Nachdem die Sonne hinter den Bergen verschwunden ist, wird es schnell ziemlich frisch. Wir verkriechen uns ins Zelt und träumen schonmal von der warmen Hütte…
Tag 4: 16.03.2010
Frühstück im Schlafsack. Da wir ja heute nur noch ein paar Schritte bis zur Låddejåkkåstuga wollen, sparen wir uns das morgendliche Tee kochen und Haferbrei anrühren und begnügen uns mit Dinkelcrackern und Salami sowie dem restlichen Tee vom Vorabend. Es ist extrem kalt und so brauchen wir lange uns endlich ans zusammenpacken zu machen.
Die wenigen Kilometer zur Hütte hatten es nochmal in sch. Zu Beginn leicht ansteigend -- kein Problem. Als die Hütte bereits in Sichtweite ist, müssen wir noch zwei steile Hänge hinab, um die Höhenmeter noch steiler auf der anderen Seite wieder hoch zu kraxeln. Rechts und links von uns jede Menge Gestrüpp an dem engen, extrem steilen letzten Hang. Ein paar mal verhedere ich mich und leg mich fast hin. Mit genügend Wut im Bauch wuchte ich mich und die Pulka durchs Gestrüpp hinauf. Dann steh ich endlich vor der Hütte mit dem Nottelefon und alles ist verschlossen. Nur eine ca. 1m² Zelle mit dem Telefon lässt sich öffnen. Das kann ja wohl nicht wahr sein…
Beim zweiten Anlauf hab ich mehr Glück und stehe im Vorraum der richtigen Hütte. Sie ist noch warm, scheint also über Nacht jemand hier gewesen zu sein. Also lotse ich Tomie hierher.
Vorsorglich lesen wir die Bedienungsanleitung der Heizung und befolgen alle Anweisungen bis der Brenner glüht. Danach nutzen wir die Gunst der warmen Hütte zum Sachen trocknen und zur Körperpflege. Meine Füsse sehen ziemlich zerstört aus, deshalb wird alles getapt, was nicht dem Originalzustand entspricht und der Rest bekommt noch ne Ladung Efasit verpasst.
Im Nu ist die gesamte Hütte mit unserem Stuff belegt. Deshalb packen wir die trockenen Sachen und alles unnötige gleich wieder in die Pulka und trinken den ganzen Tag jede Menge Tee. Wir genießen die Aussicht von der warmen Hütte und sehen was uns morgen wohl so erwartet.
Keine Ahnung wieviele Eimer Schnee wir geschmolzen haben: 5 oder doch 7? Gegen 18 Uhr just in dem Moment als wir uns ans zubereiten das Abendessens machen wollen, kommt noch ein schwedisches Ehepaar an der Hütte an. Die Frau sagt nur kurz “Hej hej!” und macht sich ohne weitere Worte an die Zubereitung des Abendessens. Der Mann verschwindet wieder. Jeder Versuch mit der Frau ins Gespräch zu kommen verläuft im Sand -- wahrscheinlich kann sie kein Englisch und meine paar Brocken Schwedisch taugen bei weitem nicht zur Konversation. *das muss auf jeden Fall geändert werden* Als der Mann wieder auftaucht, wechseln wir mit ihm ein paar Worte, aber sehr gesprächig ist auch er nicht.
Nachdem der Kocher wieder frei ist, bereiten auch wir unser Essen zu -- Tütenfutter vom Teller. Das Essen der andern macht uns ziemlich neidisch, aber wir lassen uns nix anmerken. Bevor wir uns zum Schlafen legen, warnen wir die beiden noch vor, dass wir morgen früh aufstehen und es eventuell etwas laut wird. Die Frau lächelt nur und sagt: “When I sleep, I sleep!”
Im Laufe der Nacht wird uns die Bedeutung ihrer Worte bewußt. Kaum hat sie ihre Augen geschlossen, geht die Säge an. Eine Horde Holzfäller ist sicher ein Scheißdreck dagegen :-X Trotz Kopfhörer und Musik ist sie nicht auszublenden. Deshalb ist die Nacht für uns noch früher vorbei als geplant…
Tag 5: 17.03.2010
Nachdem wir aufgrund der Soundkulisse der beiden Schweden nur wenig Schlaf gefunden haben, brechen wir nach einem reichhaltigem Müslifrühstück gegen 7 Uhr auf unsere Bergetappe nach Arasluokta auf. Wie jeden Tag starten wir bei wolkenverhangenem Himmel.
Erste Schwierigkeit ist es heile über die Stahlbrücke zu kommen.
Doch alles ist breit genug, dass wir und die Pulken die Querung vollkommen ungefährtet und unbeschadet überstehen. Und nun heißt es: bergauf, bergauf und noch weiter bergauf. Ca. 300 Höhenmeter auf 5km. Es geht besser als erwartet. Der Schnee ist recht fest und so lässt es sich befellt ganz gut und zügig hinaufsteigen. Das erste Mal machen wir Gebrauch von unseren Steighilfen. So ist der Aufstieg noch angenehmer, auch wenn dadurch etwas Druck auf der Steigzone fehlt.
Kurz vorm höchsten Punkt, an einer windstillen Stelle haben wir uns eine Teepause verdient und freuen uns schon auf die Abfahrt.
Allerdings ist diese nicht so wirklich lustig. Der Schnee ist etwas stumpf und auf dieser Seite des Passes auch tiefer. Man kommt garnicht richtig in Schwung und es bremst :(
Am Ende der mäßigen Abfahrt will eine weitere Brücke passiert werden. Ziemlich eng und mit Treppen. Also runter mit den Ski… obwohl es sicher lustig geworden wäre, wenn wir versucht hätten das ganze mit Ski zu bewältigen. Vermutlich wäre bei dem Versuch die Brücke eingestürzt ;P
Der letzte Abschnitt zieht sich bei herrlichstem Sonnenschein gemütlich dahin. Hier treffen wir Geir-Hugo, der bereits seit Mitte Januar mit seinen Ski auf dem Weg von Kvås, dem südlichsten Punkt Norwegens zum Nordkap ist. Sein Ziel will er am 1. April erreichen. Respekt! Cooler Typ und er nimmt sich eine Menge Zeit um mit uns zu plaudern.
Unsere Wege trennen sich wieder und bereits gegen 11 Uhr erreichen wir die Arasluoktastugorna.
Auf der Heizung finden wir einen Zettel des letzten Besuchers, der ankündigt, dass diese kaputt ist. Von wegen. Wir starten einen Versuch und die Heizung glüht und läuft ohne Probleme. Allerdings dauert es bis zum Abend die Hütte auf eine angenehme Temperatur aufzuheizen. Ich halte mich in der Zwischenzeit mit dem Putzen der Hütte warm und freu mich als endlich alles sauber ist und man durch das Küchenfenster wieder etwas erkennt :D
Die Hütte gehört uns heute ganz allein und so finden wir diese Nacht friedlichen Schlaf. Trotzdem treibt es mich gegen 23 Uhr nochmal raus und da sind sie wieder… nein, nicht das schwedische Ehepaar! Polarlichter. Viel heller als vor ein paar Nächten und sogar in grün und rot.
Phantastisch. Tomie stellt mir die Kamera ein und ich knipps bis es mir zu kalt wird. Ein paar Aufnahmen sind ganz gut geworden -- zumindest besser als die letzten. Überglücklich schlaf ich wieder ein.
Tag 6: 18.03.2010
Wie immer sind wir gegen 6 Uhr munter. Gemütlich genießen wir unser Frühstück, bringen in der Hütte wieder alles in einen ordentlichen und sicheren Zustand, packen unsere Pulken und starten kurz nach 7 Uhr bei wie jeden Tag bewölktem Himmel und leichten Schneefall Richtung Tuottar. Ein Tag wie jeder andere, bis dahin zumindest.
Die Scooterspuren, denen wir heute folgen wollen sind etwas verschneit und verweht, aber laufen sich ganz gut. Ca. 1,5km von der Arasluoktastugorna entfernt zieht der Wind an, der Schnee pfeift uns um die Ohren und von den Scooterspuren ist auf einmal nix mehr zu erkennen. Trotzdem halten wir an unserem Kurs fest. Ab und zu tauchen wie aus dem Nix wieder Scooterspuren auf und verschwinden genauso schnell wieder.
Mangels Erfahrung versuchen wir den Anstieg trotz eingeschränkter Sicht und starkem, eisigem Wind zu meistern. Könnten wir die Zeit nochmal zurückdrehen, würden wir zurück in die warme Stuga fahren und auf bessere Bedingungen warten. Aber es leider nicht möglich und so kommt alles anders als geplant.
An dieser Stelle muss ich das Wort an Tomie übergeben, da ich von den entscheidenden Geschehnissen nix mitbekommen habe…
… Es sollte nicht unser Tag werden. Bis heute haben wir richtig Glück mit dem Wetter, zwar noch nicht perfekt aber man kann sich wirklich nicht beschweren. Die Sicht wird immer schlechter. Die Spuren von Caro, die vielleicht 20m vor mir läuft, kann man im Schnee kaum noch erkennen. Es geht immer wieder auf und ab und der Wind verlangt mir alles ab.
Plötzlich rutsche ich weg und will mich mit meinem Stock abstützen. Dieser Versuch geht leider ins Leere. Ich kippe nach links weg und fall ziemlich hart auf meine linke Schulter. Die Pulka usw. kommt auch gleich noch mit hinterher. Das Loch ist recht groß und immerhin einen Meter tief. Gesehen habe ich es aber nicht
Im ersten Moment scheint alles in Ordnung zu sein und wir setzen unsere Reise fort. Caro bekommt von dem Sturz nix mit und das Rufen im Wind überhört sie auch. Ich kann mich nur noch mit der Pfeife bemerkbar machen. So wird diese wenigstens auch mal gebraucht. Es wäre sicherlich unschön sich im Schneetreiben zu verlieren. Etwas unheimlich ist das schon. Sicht NULL und einen Unterschied zwischen Himmel und Boden ist nicht zu erkennen. Nur ab und zu sieht man ein paar Stellen, die der Wind vom Schnee befreit hat.
Nach ca. 8km Tagestrecke bauen wir gegen 11.00 Uhr unser Zelt auf. Unsere Premiere bei diesen Wetterbedingungen. Es funktioniert einfacher als gedacht. Nach 5 Minuten steht unser “Partybunker” sicher im Wind. Wir sind richtig froh ein hochwertiges Zelt bei uns zu haben. Wir kuscheln uns in die Schlafsäcke und genießen den Wind. Ja richtig. Wenn man einmal im Zelt ist, ist es sogar ganz schön.
Zu diesem Zeitpunkt macht sich dann doch die Schulter bemerkbar. Das Adrenalin ist weg und der Körper kommt zur Ruhe. Gebrochen ist nix, deshalb mache ich mir keine Gedanken weiter darüber.
Am frühen Nachmittag lässt der Wind nach und die Wolken verschwinden. Die Sonne lässt Hoffnung in uns aufkeimen, dass am nächsten Tag alles vorbei ist. Wir machen Fotos und ein kleinen Film vom Zelt.
Da Kochen im Freien heute nicht möglich ist, muss doch die Innenzeltvariante getestet werden. Also Absis ausgraben und Kocher startklar machen. Hier kommt das Geodät an seine Grenzen. Ziemlich eng das ganze. Aber egal es funktioniert und wir können sicher kochen.
Nach dem Essen geht schnell das Licht aus an diesem Abend.
Gute Nacht
Tag 7: 19.03.2010
Gegen 5 gehen die Augen auf. Sch….. Pionierblase denke ich mir. Zudem signalisieren mir die Geräusche und die Zeltwände das wohl auch heute keine Windstille zu erwarten ist. Der erste Griff geht zur Daunenjacke. Mist. Meine Schulter kann ich kaum bewegen. Aber in der Not bzw. auf dem Weg zur Morgentoilette schaffe ich es dann doch die Jacke anzuziehen.
Noch einen Stunde Schlaf sollte aber mindestens drin sein. Wir warten aber noch bis 9 Uhr ab, als wir uns dann trotz Wind / Sturm entschliessen weiter zu gehen. Immerhin haben wir gute Sicht. Klarer Himmel, Sonne und keinen Schnee von oben.
Trotzdem geht es zäh voran. Wir haben das Gefühl einen Schritt nach vorne und gleichzeitig 2 Schritt zurück zu machen. Der Tiefschnee in den Steigungen gibt mir den Rest. Zum Schluss nur noch mit einem Arm im Einsatz kommen wir an diesem Tag vielleicht noch 4km als wir entscheiden das Zelt erneut aufzubauen, um noch ein wenig Kraft zu tanken. Laut GPS und Karte noch ca. 8km bis Tuottar.
Als wir kurz vor der Fertigstellung beim Zeltaufbau sind, haben wir mal wieder Glück im Unglück. 2 Scooter vom STF kommen aus Richtung Aras angefahren (sie hatten den Sami beim Transport von Baumaterial geholfen) und halten bei uns an. Nach kurzem Smalltalk haben die beiden keine gute Nachricht für uns: Das Wetter soll die nächsten Tag noch schlechter werden. Nach kurzer Klärung stellen wir dann die Frage, ob sie uns ein Stück mitnehmen können. Diese wird ohne zögern mit “ja” beantwortet. Schnell wird das Zelt wieder in der Pulka verstaut und diese samt Ski auf dem Holzhänger platziert.
(2 Tage Zeitpuffer waren einfach zu wenig. Der Flugtermin und das schlechte Wetter bringen uns zu diesem Entschluss.)
Die Reise geht Richtung Kvikkjokk. Entlang unserer geplanten Strecke. Der Ausblick in Tuottar ist der Hammer! Traumhaft! Das werden wir also verpassen. Aber wir kommen wieder. Das steht zu diesem Zeitpunkt schon fest.
In Terrakaise machen die Beiden bei Marianne Mittagspause und wir werden herzlich zum Essen eingeladen. Wer kann zu Elch und Polarbröd schon nein sagen. Es ist verdammt lecker. Marianne, die perfekt deutsch spricht, fragen wir wie wir uns bedanken können. Geld wollen die Jungs definitiv nicht. Wir sollen eine Karte aus Deutschland mit Fotos von der Tour schicken. Mit diesem Versprechen und den Adressen der Männer im Gepäck fahren wir dann auf den Scootern bis Kvikkjokk und checken in der Fjällstation ein.
Tag 8: 20.03.2010
Gut erholt wachen wir wieder viel zu zeitig auf. Frisch geduscht fühlen wir uns körperlich (bis auf die Schulter) bestens. Aber irgendetwas ist alles andere als gut. Wir schauen uns an und hätten gleichzeitig mit der Hand an den Kopf schlagen ohne dabei ein Wort zu sagen.
Fehleranalyse:
Warum zum Geier sind wir bis Kvikkjokk gefahren? Warum? Warum sind wir nicht einfach in Terrakaise geblieben und hätten uns da erholt und dann die Tour fortgesetzt. Zeit hatten wir nun mehr als genug. Warum? Zu dem Zeitpunkt haben wir wohl nicht schnell genug geschalten. Obwohl wir in den 2 Stunden Mittagspause mehr als genug Zeit dazu gehabt hätten.
Die Tour ist hiermit beendet. Wir nutzen die folgenden Tage zu kleineren Ausflügen auf dem Kungsleden. Wirklich Spass hat das aber nicht mehr gemacht. Man muss Angst haben nicht von Scootern überfahren zu werden und der Ärger über das Verpasste steckt tief. Auch jetzt noch!
Das Ganze hat aber auch Positives. Wir verbringen mit 4 Schweden einen schönen Abend in der Fjällstation und lauschten den Geschichten früherer Erlebnisse. Bekommen von einem einheimischen aus Kvikkjokk den Wasserfall gezeigt sowie die Geschichte vom Silber-/Erzabbau in dieser Gegend erklärt.
Neben dem bereits genannten Fehlern haben wir noch weitere für uns festgestellt:
Die erste Nacht in Ritsem hätten wir uns sparen können und gleich nach der Ankunft nach Akka laufen sollen. Möglicherweise hätten wir den Sturm dann in der warmen Tuottarhütte genossen. Zumindest hätten wir dann einen Reservetag mehr gehabt.
Der Pausetag in der Låddejåkkåstuga war unnötig. Der hat uns wichtigen Puffer gekostet.
Diese Entscheidungen anders getroffen und die Tour hätte möglicherweise wie geplant durchgeführt werden können. Aber wie sagt man so schön? Aus Fehlern lernt man! Hoffen wir es!
Auch war das für uns wahrscheinlich die letzte Anreise per Flugzeug. Ob der Zug hierfür besser geeignet ist wage ich auch noch zu bezweifeln. Mit dem Auto ist man flexibler und kann auf solche Situationen besser reagieren. Im Notfall muss der Urlaub eben spontan um einen oder 2 Tage verlängert werden…
Fazit:
Es war für uns trotzdem eine traumhafte Tour auf der wir wieder viel gelernt und gesehen haben. Einige Situationen können wir nun sicher besser einschätzen. Eine Wintertour wird wenn möglich jährlich im Kalender stehen. Polarlichter sind wunderschön. Schon alleine dafür lohnt sich die lange Anreise. Über die gemachten “Fehler” werden wir uns sicher noch lange ärgern. Aber mei so ist das Leben!



Hübscher Bericht, nette Fotos. Für die Polarlichter empfehlt es sich das Zelt/ Hütte zu beleuchten, dann hat die Kamera einen Anhaltspunkt. Beleuchtungszeiten kurz halten, da sich die Erde ja dreht und die Sterne sonst als Streifen abgebildet werden; das letzte Bild ist dabei am besten geworden, mMn. Und am Ende zählt ja nur das Ihr sie gesehen habt, egal ob Foto oder nicht!
Ja die Bilder von den Polarlichtern sind auch nur online weil es die ersten waren ;) Die Kamera war in allen Fällen falsch eingestellt. Das wird beim nächsten mal sicher besser. Trotzdem danke für den Hinweis. Gruß Tomie
War letzte Woche oben im Norden, und war in einer tollen Ausstellung von Jorma Luhta, der Polarlichter fotografiert, und musste an Euch denken! Hier ein link: http://www.leuku.fi/index.php?kansiohaku=1&mode=folder&ko=1&kid=3&rid=86&arid=&ro=1
Hallo Hendrik,
vielen Dank für den Link. Da sind echt traumhafte Bilder bei. Hierfür müssen wir aber wohl noch eine weile üben und natürlich das Glück haben solche Bedingungen vorzufinden.
Beste Grüße
Thomas