Um auf Wintertouren perfekt für kalte Temperaturen gerüstet zu sein, musste vor dem Start in die Vidda eine Daunenjacke ran. Eine schwere Entscheidung hatte ich nicht, da Frauen anscheinend nicht die Zielgruppe für solche Produkte sind bzw. die Produktbeschreibungen nicht wirklich aufschlussreich sind. Meine Vorauswahl fiel auf die Mountain Equipment Cho Oyu Jacket (Frauenmodell) und den The North Face Himalayan Parka (Männermodell). Nach ausgiebigem Probe tragen in der Wohnung bei +20°, ist für mich welch Wunder die Wahl auf das Frauenmodell gefallen. Die Passform der ME hat mich überzeugt, zudem ist das Packmaß kleiner und den Linkshänderreißverschluss der TNF bekomme ich einfach nicht auf die Reihe. Außerdem kann ich ja nicht immer die gleichen Klamotten wie Tomie tragen ;-)
Beide Daunenjacken sind für den Einsatz in Polarregionen, in den Bergen und sogar für Expeditionen konzipiert und damit durchaus tauglich für Wintertouren im nördlichen Polargebiet. Frieren ist somit ausgeschlossen – hoffe ich zumindest bis dahin :) Die TNF ist rein vom Empfinden sogar noch wärmer als die ME. Fundierte Aussagen über die Komforttemperaturgrenzen findet man zu den Jacken leider auch nicht in der technischen Beschreibung. Bezüglich der Füllkraft der Daunen liegt der Himalayan Parka mit 800 vor der Cho Oyu Jacket mit 600+. Das Außenmaterial beider Jacken ist wasserresistent. Die Verarbeitung ist solide. Rein technisch gesehen sind beide Jacken wirklich Spitzenprodukte und die TNF hat in diesem Punkt die Nase leicht vorn.
Alle technischen Details der Mountain Equipment Cho Oyu zusammengefasst:
- Material: DriLite Loft (100% Nylon), winddicht und wasserabweisend
- Isolation: 90/10g Daune mit 600+ Füllkraft
- Kammerkonstruktion gegen Kältebrücken
- Gewicht: ca. 1150g (Größe M)
- Frontreißverschluss mit Abdeckleiste innen und außen
- 2 Einschubtaschen mit Reißverschluss, 2 Brusttaschen mit Reißverschluss, Flaschenhalter (Netztasche) innen, Innentasche mit seitlichem Reißverschluss
- voll verstell- und abnehmbare Kapuze (helmtauglich)
- Wärmekragen mit Klettverschluss
- Kordelzug am Saum
- verstellbare Ärmelbündchen
- synthetische Polsterung an den Schultern
Also auf damit nach Norwegen, schließlich soll sie mich vor der winterlichen Kälte schützen und zeigen, was sie taugt bzw. zu bieten hat. Handlich verpackt findet sie also den Weg in die Pulka – natürlich ganz weit oben.
Leicht verfroren schlüpfe ich das erste Mal bei kalten -18°C in die Daunen. Der Reißverschluss, den ich vorm Urlaub als den kritischsten Punkt gesehen habe, lässt sich erstaunlich gut öffnen und schließen. Nix verhakt. Die Klettverschlüsse sind ein wenig nervig, aber wenn man den Dreh einmal raus hat, sind diese auch kein Problem. Vorsicht nur mit Wollhandschuhen ;-)
Damit die Kälte bzw. der Wind keine Chance hat, wird die Kordel am Saum noch eingestellt und dann zieht es auch nicht mehr. Wahnsinn wie gut man diese kalten Temperaturen (-28°C hatte der kälteste Tag) in der Jacke ertragen kann. Eine wahre Wohltat. Frieren ist also tatsächlich ausgeschlossen. Kapuze auf und auch am Kopf wird es warm – die dicke Fellmütze ist also umsonst mitgereist. Aber besser man hat als man hätte. Die Hände finden den Weg in die Taschen – Platz ist genug und man kann auch prima das Feuerzeug darin anwärmen. Der Kältetest ist bestanden!
Nächster Punkt: Tragekomfort und Beweglichkeit – ein wichtiges Argument bei meiner Jackenwahl. Wie erwartet auch im täglichen Gebrauch auf Tour keine Einschränkungen. Egal ob beim Zeltaufbau, Isomatte aufpumpen, kochen oder essen. Volle Bewegungsfreiheit. Nix hängt im Weg und mit geöffnetem Kragen auch nicht im Essen. OK, beim An- und Ausziehen im Zelt wird es schon etwas eng, man streift des Öfteren an der Wand entlang und es schneit, aber das lässt sich auch ohne Jacke nicht ganz vermeiden. Außerdem liegt das eher am Volumen und nicht an der Bewegungsfreiheit der Jacke.
Kommen wir zu den Taschen! Die Einschubtaschen bieten wie bereits erwähnt genug Platz zum Händewärmen und ne Packung Taschentücher, ein Feuerzeug oder ein Schokoriegel dazu sind auch kein Problem. Die Brusttaschen sind ganz praktisch, wenn man schnell was wegpacken muss um die Hände frei zu bekommen oder auch um Sachen warm zu halten. Wichtiger Tipp von meiner Seite: immer schön den Reißverschluss der Brusttaschen zu machen, Auch wenn dieser etwas fummelig ist. Sonst purzelt spätestens beim nächsten Bücken alles aus den Taschen und man verliert z.B. das Multitool :(
Die Innentaschen sind etwas fragwürdig. Ich hab sie nicht gebraucht. Flaschenwärmen ist bei einer Isoflasche ziemlich sinnfrei. Außerdem will man die Jacke einmal angezogen nicht wieder auf und zu machen – ich zumindest nicht.
Klamotten oder die Biwakboots hab ich zum Anwärmen einfach so unter die Jacke geschoben – am besten während des Zeltaufbaus, dann ist alles auf Wohlfühltemperatur wenn man damit fertig ist. Dank der Kordel am Saum geht auch nix verloren.
Zum Transport hab ich sie immer in den mitgelieferten Packsack gesteckt und ganz weit oben in die Pulka gepackt, damit man immer schnell rankommt. Ordnung muss sein!
Insgesamt habe ich mit der Cho Oyu eine gute Wahl getroffen. Auf Tour hätte ich sie jedenfalls nicht missen wollen. Wenn es nicht etwas drüber wäre, bin ich fast versucht die Jacke in diesen Tagen in den heimischen Gefilden auszuführen :D Strassentauglich ist sie allemal. Aber man kann ja nicht völlig verweichlichen ;-)

